Archiv vom Juni, 2013

 

Erstellt am 25. Juni 2013 von

Das Christentum ist eine monotheistische Religion. Gemeinsam mit den Juden bekennen wir: „Der Herr, unser Gott, ist ein einziger Gott“ (5. Mose 6,4).
Die Zugänge zu diesem einen Gott sind allerdings sehr verschieden. Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte, jeder Mensch hat eine Seele, in die – Gott sei Dank! – kein anderer Mensch von außen hineinschauen kann. Entsprechend gibt es bei sieben Milliarden Menschen auch sieben Milliarden Zugänge zu Gott.
Da andererseits alle Menschen in gewisser Hinsicht gleich sind, nämlich gleich in ihrer persönlichen Würde als vernunftbegabte und fragende Wesen, verbindet uns eine bestimmte Form von Religion, oder besser: religiöser Sehnsucht. Der englische Schriftsteller Julian Barnes hat es einmal so formuliert: „Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.“ Die großen Lebensfragen ziehen sich seit Menschengedenken durch alle Völker und Kulturen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wofür lebe ich?

Als Christen gehen wir davon aus, dass diese Fragen damit zu tun haben, dass jeder einzelne Mensch ein Geschöpf Gottes ist. Unsere Sehnsucht, so glauben wir, ist eine Art „Heimweh“ nach Gott. Menschen können Gott nicht sehen, nicht hören, nicht riechen, nicht schmecken, nicht fühlen. Wir sind getrennt von Gott. Dies ist die Tragik der gefallenen Schöpfung.
Als Christen glauben wir weiter, dass Jesus Christus die Frage nach Gott beantwortet hat. In ihm erkennen wir Gott. Jesus hat gesagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Johannes 14,9). Jesus zu kennen, ihn beim Wort zu nehmen, dem zu glauben, was er gesagt hat. Das ist christlicher Glaube. Ganz einfach, selbst ein Kind kann so glauben (Matthäus 18,3).

Doch erschöpft sich der christliche Glaube darin nicht. Jesus Christus ist der Mittelpunkt des Glaubens. Der Stein, der ins Wasser fällt – und dieser Stein zieht viele weite Kreise. In der Bibel, dem Buch, in dem die jüdisch-christliche Glaubensgeschichte aufgeschrieben wurde, finden wir eine Vielzahl von Bildern und Namen, die Gott umschreiben. Da gibt es nicht ein einziges festgefügtes Gottesbild.
Im Gegenteil, es gibt sogar das scharfe Verbot in den Zehn Geboten: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“ (2. Mose 20,1f).
Was ist hier verboten? Fremde Götter anzubeten und ihnen zu dienen. Und noch ein zweites: Es ist verboten, sich ein eigenes Bild von Gott zu machen.
Bleiben wir bei dieser zweiten Bedeutung. Sie ist kleiner, alltäglicher – und damit „gefährlicher“ als die erste. Ich muss meine Religion gar nicht verleugnen oder fremden Göttern nachlaufen und tappe doch in diese Falle. Wer eine Erfahrung mit Gott macht, neigt dazu, diese Erfahrung absolut zu setzen. Und das birgt dann die Gefahr in sich, dass ich meine Erfahrung mit Gott selbst verwechsle. Ich mache mir ein Bild, lege Gott fest – und bete dann dieses Bild an. Gott selber geht mir verloren. Gott ist größer, als meine Bilder von ihm je sein können.

Als die großen religionskritischen Philosophen Feuerbach, Marx, Nietzsche und Freud den Menschen vorwarfen, in ihrer Religion nicht einen wirklichen Gott, sondern ihre eigenen Projektionen, ihre Wunschvorstellungen einer allmächtigen und ewigen Gottheit zu verehren, da waren sie gar nicht so weit weg von dem, was die Zehn Gebote auch schon befürchteten: dass Menschen den lebendigen Gott mit ihrem eigenen Bild von Gott verwechseln.
Wie oft passiert mir das im Kleinen? Und wie oft ist es in der Geschichte geschehen? Da mussten verzerrte, dogmatische Gottesbilder herhalten, um Kriege und Unterdrückung zu rechtfertigen, um Hexen zu verbrennen und Fortschritt zu verhindern. Was ist alles geschehen, im Namen Gottes!

Feuerbach, Marx, Nietsche und Freud haben allerdings in ihre Überlegungen den gleichen Denkfehler eingebaut: Sie kamen zu dem Schluss, dass es einen Gott daher nicht geben könne, weil er menschengemacht sei. Das ist nicht logisch – denn der Gott, den sie ablehnen, ist ja wiederum ein Gebilde ihrer eigenen Vorstellung. Die Möglichkeit, dass es einen wirklichen Gott gibt, ist ja eben nicht menschengemacht – und daher reichen unsere philosophischen Kniffe nicht aus, ihn zu widerlegen. Wie auch? Kann die Schöpfkelle den Ozean widerlegen? Kann das Kind die Existenz der Mutter leugnen?

Da andererseits unsere menschlichen Möglichkeiten auch nicht ausreichen, Gott wirklich zu erkennen, sprechen wir von Offenbarung. Glaube hat sein Fundament nicht darin, dass wir Menschen Gott erkennen, sondern darin, dass er sich den Menschen mitteilt. Nicht meine Erkenntnis, sondern Gottes Reden ist die Grundlage meines Glaubens.
Und dieses Reden, diese Offenbarung ist quer durch die Bibel von einer unendlichen Vielfalt. Gott stellt sich immer wieder neu vor. Gott hat viele Namen. Im „Glauben zu wachsen“ heißt, diese Vielfalt zu entdecken, sich Gott neu zu öffnen, sich von ihm überraschen zu lassen. Die Ringe haben eine gemeinsame Mitte – und breiten sich aus über den ganzen See.

Als Moses in der Wüste einen brennenden Dornenbusch sah, hörte er die Stimme Gottes. Er erschrak, doch Gott sprach ihn an. Moses bekam eine Berufung. Und dann traute er sich, Gott zu fragen: „Wer bist du eigentlich? Was soll ich den Israeliten denn sagen? Wer ist dieser Gott, der mich beauftragt?“ Er erhielt eine großartige, vielsagende Antwort. Auf Hebräisch klingt es so: „ähjäh ašär ähjäh“ (2. Mose, 3,14) – das lässt sich übersetzen mit „ich bin, der ich bin“ oder auch mit „ich werde sein, der ich sein werde“. Grammatikalisch ist die Zeitform nicht eindeutig, sie ist offen. An der Bedeutung dagegen gibt es keinen Zweifel. Gott sagt: „Ich bin ein ewiger Gott. Ein Gott, der war, der ist und der sein wird. Ein treuer Gott. Ein Gott, der sich nicht auf ein Bild oder einen Namen festlegen legen lässt – und der doch immer der eine und der gleiche ist und bleibt.“

Es gibt (nur) einen Gott. Das glauben und bekennen wir. Er ist Mensch geworden. Damit Menschen ihn kennenlernen. Damit sie mit ihm leben. Es ist der Gott, den Jesus den Vater nennt (Lukas 15) – und der ebenfalls von sich sagt, dass er „tröstet, wie eine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13). Es ist der Gott, der „Löwe von Juda“ genannt wird – und der zugleich das Lamm Gottes ist. Es ist der Friedefürst, Wunderrat, Gnadenvoll, der ewige Herrscher, der Versorger, der Arzt, der Heiland. Es sind zu viele Bilder und Namen Gottes, um sie alle aufzuzählen.
Auf jeden Fall sind es genügend, um den lebendigen Gott persönlich kennenzulernen und ihn ein ganzes Leben lang immer wieder neu zu entdecken und zu erleben.

Uwe Heimowski

Erstellt am 25. Juni 2013 von

Schon mehrmals war Autorin Sabine Zinkernagel mit ihrem ältesten Sohn Jacob (18) gemeinsam zu Lesungen unterwegs. Ihr Buch Wer nur auf die Löcher starrt, verpasst den Käse – Aus dem Leben mit zwei besonderen Kindern fasziniert nicht nur mich nach wie vor, vermutlich vor allem wegen ihres erfrischenden Schreibstils, verbunden mit einem ehrlichen Blick auf das echte Leben. Inzwischen ist das Buch in der zweiten Auflage und auch als E-Book lieferbar.

Jacob Zinkernagel hat nach den Lesereisen Tagebuch geschrieben, und ein paar Auszüge dürfen wir hier veröffentlichen. Danke, Jacob! Seine Mutter hat seine Berichte „übersetzt“ zum besseren Verständnis hier und da durch Anmerkungen in Klammern ergänzt.

 

26.10.2012, bei der Lebenshilfe in Künzelsau (bei der Oma)

Donnerstag sinn wir hir los de fahren nach Kunselsau unter wes sacht Sabine Em haben wir den Toli mit de Nomen das sachte Sabine For Nuenbert und da For schon Oma an de rufen das wir schpäter kommen dann rif ich de Cornelius an on das de bett zu hause liden de bliden ist oder mit ist de Cornelius fer ste Roli und zu nach mein Roli de sacht nein ich sage nein das de bett ist nicht zu hause de bliden wir haben ab de halten uns das schon hinder Norbert das hir an de hallten haben und Sabine ist Aus Stick und hat nach de schaut und in ernst haben wir das gebet zu hause stehen de lassen das litt noch auf dann Bett Fon Jacob so das wir noch auf das Kasbetel de teten haben

Donnerstag sind wir losgefahren nach Künzelsau. Unterwegs sagt Sabine: Ehm, haben wir den Trolley mitgenommen? Das sagte Sabine vor Nürnberg. Dann rief ich den Cornelius an, ob das Gepäck zu Hause liegen geblieben ist oder mit ist. Der Cornelius versteht „Rolli“ und sucht nach meinem Rolli. Er sagt nein. Ich sage: Nein, das Gepäck ist nicht zu Hause geblieben. Wir haben hinter Nürnberg angehalten und Sabine ist ausgestiegen und hat nachgeschaut. Und im Ernst, wir haben das Gepäck zu Hause stehen gelassen. Das steht noch auf dem Bett von Jacob, so dass wir noch auf das Gaspedal getreten haben.

 

wir waren noch bunlich in Kunselsau und was Stelen wir fest die leden haben bis 22:00 offen Sabine konnte in er ruhe ein Einkaufen und hat alles be kommen unser fes hat Sabine überlet was die noch schel be Soden muss 2 Schafanzüge 2 Zahnbösten 1 Zahnzren 4 Soden 4 Unter hosen, 2 Tischos wir wüzten das wir bei der Oma sinn und die hat hantücher wir waren wo das wir die metite mente da bei haben die weren schwirrich su be kommen den sinn wir wieder zu die Oma de Fahren wir haben zu Argen de dessen und da tun Sabine Handy das mitten Bein Argen essen wir haben Martin erselt teb eine überrachun hura hat si mir eine Überrascun da de lassen de und de dien in Jacobs Zimmer und hat de Toli de sehen wir sinn alle in bett

 

Wir waren noch pünktlich in Künzelsau, und was stellen wir fest? Die Läden haben bis 22.00 Uhr offen. Sabine konnte in Ruhe einkaufen und hat alles bekommen. Unterwegs hat Sabine überlegt, was sie noch schnell besorgen muss: 2 Schlafanzüge, 2 Zahnbürsten, 1 Zahncreme, 6 Paar Socken, 6 Unterhosen, 2 T-Shirts. Wir wussten, wir sind bei der Oma, und die hat Handtücher. Wir waren froh, dass wir die Medikamente dabei haben, denn sie wären schwierig zu bekommen.

Dann sind wir weiter zu der Oma gefahren. Wir haben zu Abend gegessen und da tut Sabines Handy, und das mitten beim Abendessen. Wir haben Martin erzähl, es gibt eine Überraschung. (Martin denkt) Hurra, hat sie mir eine Überraschung dagelassen, und der ging in Jacobs Zimmer und der hat den Trolley gesehen.

Wir sind alle ins Bett.

 

Wir haben er faren das wir nicht For her in den raum kommen da wo die Lisun ist wür schon mal aus zu bauen sie stüllen zu stelen na so was da an de tomen wir wurten be grüst von die Frau von der Lebenshilfe das die doch da rausen sin

wir haben de staunt wie wille da hin de dommen sinn das auch die de kommen sinn die auch nicht bei der Lebenshilfe arbeiten Tuhen wegen Sabine Vile von ihre Schul Freunde waren da Sabine dachte die Ulrike komt nicht, die ist doch in Emten. Aber dann halo Ulrike schön das du da bist die haben alle lang ge kascht in die Pause da gab es Käse Manfred hat nicht gesagt das die Pause su ende ist da habe ich gesagt haltet mal die Klappe alle mitt ei ander die Sabine will weiter lisen vile haben sich ein Buch gekauft mit Witnun ich habe auch un ter schreiben und das Geld kasirt fünfzehn euro das war bis alle nach hause tinen 23:00

 

Wir haben erfahren, dass wir nicht vorher in den Raum kommen, wo die Lesung ist, um schon mal aufzubauen und die Stühle zu stellen. Na so was.

Da angekommen wurden wir von der Vorsitzenden der Lebenshilfe begrüßt. (Sie hat uns gesagt), dass die(jenigen, die den Raum vorher nutzen wollten) doch schon draußen sind.

Wir haben gestaunt, wie viele da hin gekommen sind, und dass auch Menschen, die nicht bei der Lebenshilfe arbeiten, wegen Sabine gekommen sind. Viele von ihren Schulfreundinnen waren da. Sabine dachte die Ulrike (ihre beste Freundin aus der Schulzeit) kommt nicht, die wohnt doch in Emden. Aber dann (sagte sie plötzlich): Hallo Ulrike, schön dass du da bist.

Die (Zuhörer) haben alle lange gequatscht in der Pause, da gab es Käse. Manfred (Jacobs Onkel) hat nicht gesagt dass die Pause zu Ende ist, da habe ich gesagt: Haltet mal die Klappe, alle miteinander, die Sabine will weiter lesen.

Viele haben sich ein Buch gekauft, mit Widmung. Ich habe auch unterschrieben und das Geld kassiert, 15 Euro (pro Buch). Als alle nach Hause gingen, war es 23.00 Uhr.

 

Fortsetzung folgt …

 

Erstellt am 3. Juni 2013 von

Die Frankfurter Rundschau bringt heute auf fast der ganzen Seite 21 des Feuilletons die Geschichte von Le Chambon um den couragierten Pfarrer André Trocmé („wohl die erfolgreichste kollektive Hilfsaktion in Frankreich für Juden“) und weist am Ende als Literaturtipp auf die im Neufeld Verlag erschienene Biografie hin:

 

 „wohl die erfolgreichste kollektive Hilfsaktion in Frankreich für Juden“

 

Hanna Schott

Von Liebe und Widerstand – Das Leben von Magda & André Trocmé

ISBN 978-3-86256-017-2, Bestell-Nr. 588.722

Neufeld Verlag, Schwarzenfeld, 2. Auflage

  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel ist voll von Geschichten und Bildern darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er eine Menge Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

    Für uns hat unser Slogan eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern.

  • Dennoch ist unsere Welt weit davon entfernt, Menschen mit Behinderung grundsätzlich willkommen zu heißen – vielen wird nicht mal gestattet, überhaupt zur Welt zu kommen. Und von gelebter Inklusion, dem echten Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap in allen Bereichen unseres Alltags, sind wir auch noch ein gutes Stück entfernt. Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.