Kategorie: A little extra
“Kein Mensch ist perfekt”, so lautet treffend die aktuelle Kampagne der Caritas. So selbstverständlich da wohl jeder zustimmt, so unglaublich tief sitzen offenbar dennoch die Vorstellungen davon, wer „behindert“ ist und wer nicht. Dabei merken wir dann gar nicht mehr, wie sehr wir einander behindern. Das frustriert mich!
Als eine Freundin von uns im Zuge ihrer Überlegungen, welche Schule für ihre Tochter mit Down-Syndrom wohl die beste sein könnte, gerade wieder einen Termin mit einer Schulrektorin hatte, kam sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Diese Dame wusste allzu gut Bescheid, was geht und was nicht, kannte sehr genau die Grenzen und das Potenzial der Kleinen – und behandelte unsere Freundin dermaßen respektlos, dass ich an die Decke gehen könnte. Von dem, was ich mir unter “Inklusion” vorstelle, sind wir da meilenweit entfernt. Ich schätze, es braucht einfach noch jede Menge echter Begegnungen und Erfahrungen, damit sich die Erkenntnis durchsetzt, dass jeder Mensch nun mal ein Unikat ist. Und dass genau das das Leben aller bereichert.
Zum Glück gibt’s an solchen Tagen auch anderes zu berichten: „Muss in jeden Kindergarten, sollte in die Wartezimmer von Arztpraxen“, schreibt die Zeitschrift „Sozialcourage – Das Magazin für soziales Handeln“ soeben in ihrer Empfehlung des wunderbaren Bilderbuches Die Geschichte von Prinz Seltsam – Wie gut, dass jeder anders ist. Sozialcourage (Druckauflage 180.000) wird vom Deutschen Caritasverband in Freiburg herausgegeben und erscheint vierteljährlich. Kindergarten und Wartezimmer – ich finde, da haben sie recht.
Ein neu entwickelter Bluttest kann ab der 10. Schwangerschaftswoche anzeigen, ob das heranwachsende Kind Down-Syndrom hat. Wir lehnen diesen Trisomie-21-Frühtest als eine Form von „Selektion“ ab. Pikant: Das Bundesministerium für Forschung hatte den Test finanziell gefördert. „Was halten Sie von dieser Forschungsförderung?“, so lautet eine Umfrage des Portals “Gerechte Gesundheit”. Da kann man sich per Klick dazu äußern …
So lautet der Titel eines berührenden Buches über ein eingeschränktes und doch erfülltes Leben, das im Frühjahr 2012 im Neufeld Verlag erscheint. Roland Walter kam 1963 mit einer spastischen Lähmung zur Welt. Er ist gelernter Kaufmann und engagiert sich seit Jahren für ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Von Berlin aus ist Roland Walter heute europaweit als Referent unterwegs.
Drei Studentinnen der katholischen Fachhochschule haben nun im Rahmen eines Projektes Menschen mit Behinderungen so fotografiert, dass man ihre Behinderung auf den ersten Blick nicht wahrnimmt. So entstanden u. a. Tanzfotos von Roland Walter auf dem Gendarmenmarkt. Am Montag, 14.11. findet um 18 Uhr in der Immanuelkirchstr. 21 in 10405 Berlin-Prenzlauer Berg die festliche Eröffnung der Fotoausstellung statt. Die wird musikalisch umrahmt von der Gruppe Tralalka, und gegen 19 Uhr ist eine Performance von Roland Walter zu sehen.
Jedes Jahr am 21. März findet der Welt-Down-Syndrom-Tag statt. Klar, Trisomie 21 bedeutet ja auch, dass das 21. Chromosom dreifach vorhanden ist. („Mein Kind hat mehr Gene als deins“, las ich neulich auf einem Sweatshirt. Tja!) Für 2012 plant zum Beispiel die Westdeutsche Down-Syndrom-Ambulanz in Velbert wieder einen Markt der Möglichkeiten. Am Samstag, 24. März 2012 gibt es somit von 10.30 bis 18.00 Uhr die vierte Auflage der in den letzten Jahren sehr erfolgreichen Tagesveranstaltung zum Welt-Down-Syndrom-Tag, die die Vielfalt der Angebote für Kinder mit Down-Syndrom aufzeigen soll. Das Motto lautet dann: „Down-Syndrom – mit uns kann man rechnen!“
Der Termin steht schon fest in meinem Kalender!
Menschen mit Down-Syndrom verfügen bekanntermaßen über das gewisse Extra: sie besitzen zum Beispiel das Chromosom Nummer 21 in 3facher Ausführung. So kommt es, dass der 21.3. zum jährlichen Welt-Down-Syndrom-Tag auserkoren wurde. An diesem Tag finden auf der ganzen Welt zahlreiche Aktionen und Informationsveranstaltungen zum Thema Down-Syndrom statt.
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Der 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. (Und ja, es macht wirklich Sinn, nicht vom “Behindertentag” oder dem “Tag der Behinderten” zu reden, weil unsere Identität als Menschen nicht in erster Linie von unseren Begabungen oder Begrenzungen abhängt, sondern zutiefst darin begründet liegt, dass wir Gottes geliebte Töchter und Söhne sind.)
Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung ist ein von den Vereinten Nationen ausgerufener Gedenktag, der das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung wachhalten und den Einsatz für die Würde, Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen fördern soll. Sehr spannend in diesem Zusammenhang ist die neue UN-Konvention: Im Dezember 2006 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Schlüsselbegriffe sind Würde, Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung, Empowerment, Chancengleichheit und Barrierefreiheit.
Mit der Behindertenrechtskonvention wird Behinderung nicht länger primär unter medizinischen oder sozialen Blickwinkeln betrachtet, sondern Behinderung ist als Menschenrechtsthema anerkannt worden. Behinderte Menschen gelten somit als Träger unveräußerlicher Menschenrechte. (Dass es solch ein Statement heutzutage überhaupt braucht, ist doch dramatisch, oder?). Damit verbunden ist ein vielfältiger Perspektivenwechsel. Inzwischen ist diese Konvention auch von der Bundesrepublik Deutschland sowie den einzelnen Bundesländern unterzeichnet worden.
>>> Unser Wandkalender “A little Extra 2010″
Im September 2009 erschien erstmals der Wandkalender „A little extra 2010“. Fotografin Conny Wenk hat wunderbare Mutmach-Bilder von außergewöhnlichen Kindern und Jugendlichen zusammengestellt, die über ein Chromosom mehr verfügen als die meisten Menschen. Sie haben Down-Syndrom, und das bedeutet häufig zu allererst: mehr Lebensfreude, mehr Leichtigkeit, mehr Unbekümmertheit, mehr Liebe und mehr Glück …



Im September 2009 erschien erstmals der Wandkalender „A little extra 2010“. Fotografin Conny Wenk hat wunderbare Mutmach-Bilder von außergewöhnlichen Kindern und Jugendlichen zusammengestellt, die über ein Chromosom mehr verfügen als die meisten Menschen. Sie haben Down-Syndrom, und das bedeutet häufig zu allererst: mehr Lebensfreude, mehr Leichtigkeit, mehr Unbekümmertheit, mehr Liebe und mehr Glück …
Wer schreibt denn da? Bin 1970 in Ingolstadt geboren und in Oberbayern und Ostwestfalen aufgewachsen. Seit 1995 verheiratet mit der wunderbaren Carolin. 2004 ging mit der Gründung des Neufeld Verlages ein weiterer Traum in Erfüllung. 
