Kategorie: Gemeindearbeit
Gestern wurde er eröffnet: der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg. Rund 350.000 Menschen waren gestern Abend zwischen Binnenalster und HafenCity unterwegs, um einander begegnen und die gastgebende Nordkirche kennenzulernen. Noch bis zum Sonntag stehen unzählige Veranstaltungen und Angebote unter dem Motto: „Soviel du brauchst“. In Messehalle B6 gibt es „so viel Buch, wie du brauchst“ – hier finden Kirchentagsbesucher nämlich die Kirchentagsbuchhandlung, ein großes Sortiment, darunter natürlich auch viele Titel aus dem Neufeld Verlag (mit einem eigenen Stand sind wir diesmal nicht vertreten).
Margot Käßmann, Tiki und Marion Küstenmacher, Markus Majowski, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Bruder Paulus Terwitte – man könnte den ganzen Tag vor der Open-Air-Bühne der Kirchentagsbuchhandlung verbringen und dabei spannende Bibelarbeiten, Interviews und Gespräche hören und Autoren live erleben. Und zwischendurch lohnt es sich immer, im riesigen Buchangebot in Halle B6 zu stöbern. Online gibt es eine Übersicht über die einzelnen Angebote der Kirchentagsbuchhandlung.
Mission ist und bleibt ein herausforderndes Wort. Für die einen schwingt darin viel Unheilvolles mit, andere verbinden damit das Heil Gottes, das doch „unter die Leute kommen soll“.
Seit einiger Zeit ist vielerorts die Rede von missionaler oder gesellschaftsrelevanter Gemeinde (auch in einigen Buchtiteln des Neufeld Verlages taucht dieser Begriff auf). Wie sind diese neuen Schlagwörter zu verstehen? Was meinen sie und was nicht? Und was ergibt dazu eine Spurensuche bei den frühen Täufern? Missional leben: Welche Chancen sind zu nutzen, welche Stolpersteine zu vermeiden?
Bernhard Ott, Hanspeter Jecker und Heike Geist vom Theologischen Seminar Bienenberg sowie Ute und Frank Paul von der OJC Reichelsheim werden das Thema im Rahmen eines Tagesseminars:
Mission: Vom Unwort zum Modewort „missional“?
Oder: Wagen, sich am Wirken Gottes in dieser Welt zu beteiligen
am kommenden Samstag, 6. April 2013 auf dem Bienenberg (Liestal bei Basel) entfalten.
Wie sehen eigentlich ermutigende Praxisbeispiele aus von Menschen, die es wagen, sich am Wirken Gottes in dieser Welt zu beteiligen? Begleiten statt erobern lautet das Buch, in dem Ute und Frank Paul ihre Erfahrungen als Missionare beschrieben haben (jetzt auch als E-Book). Dazu gehört die Einsicht, den Dienst aus der Verletzbarkeit (vulnerable ministries) heraus zu wagen. Eine Haltung, die auch für die gelebte persönliche christliche und gemeindliche Praxis vor Ort bedeutsam ist.
Weitere Infos und Anmeldung: www.bienenberg.org.
Wie sollen wir leben? An welchen Werten und Normen können wir uns orientieren? Wie treffen wir Entscheidungen in ethischen Fragen, die uns herausfordern? In unserer Gesellschaft dreht sich fast alles um Geld, Sex und Macht. Interessanterweise hat auch Jesus zu diesen Themen viel gesagt.
Das Theologische Seminar Bienenberg bietet mit L/G/L Regio (L/G/L = Lebensgestaltung / Gemeindearbeit / Leiterschaft) ein zweiteiliges Seminar unter der Überschrift „Verantwortlich leben – Lebensgestaltung in der Nachfolge von Jesus“ in der Evangelischen Täufergemeinde (ETG) CH-Diessbach an. „In diesem Seminar orientieren wir uns an der Bibel, um nach tragfähigen ethischen Werten und Normen zu fragen. Was sagen uns das Alte Testament, Jesus und die Apostel zu einer ‚guten’ Lebensgestaltung? Was das bedeutet, wird anhand von Fragestellungen in den Bereichen Geld, Sex und Macht erarbeitet“, heißt es im Einladungs-Flyer.
Zur Vorbereitung wird die Lektüre von Timothy Gedderts Buch Verantwortlich leben – Wenn Christen sich entscheiden müssen (3. Auflage 2012) empfohlen.
Am kommenden Samstag, 23. März, referiert Bienenberg-Dozent Lukas Amstutz über „Das Alte Testament als Grundlage einer biblischen Ethik – Fallbeispiel: Sexualität verantwortlich leben“. Am Samstag, 7. September, spricht Dr. Bernhard Ott dann über „Jesus und die Bergpredigt – Fallbeispiel: Verantwortlicher Umgang mit Besitz und Macht“.
Info & Anmeldung: Erwin Weibel, Evangelische Täufergemeinde, Dorfstrasse 59, CH-3264 Diessbach, erwin.weibel@etg-diessbach.ch
Die beiden theologischen Ausbildungsstätten Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW) und Theologisches Seminar Bienenberg (TSB) haben kürzlich eine Ausbildungspartnerschaft auf Bachelor-Level vereinbart, die ab dem kommenden Studienjahr in Kraft tritt. Das Herzstück der Vereinbarung bildet das TSB-Kernstudium „Kirche, Kultur & Kontext“, das eine Vertiefung in friedenskirchlich-täuferischer Theologie ermöglicht.
Dieser neu entwickelte Jahreskurs wird ab September 2013 in der Schweiz und in Deutschland angeboten. Er eignet sich für interessierte Laien zur Weiterbildung ebenso wie für ein teil- oder vollzeitliches Studium. Die Zusammenarbeit mit IGW ermöglicht Studierenden, die Studienleistungen des TSB-Kernstudiums „Kirche, Kultur & Kontext“ anrechnen zu lassen und in ein BA-Studium bei IGW zu integrieren.
Zum kommenden Studienjahr 2013/14 kommt es am Theologischen Seminar Bienenberg auch zu einer einschneidenden Veränderung im Programmangebot. Aufgrund der geringen Studierendenzahl wird das etablierte dreijährige Grundstudium eingestellt und dafür das einjährige Studienprogramm mit dem Schwerpunkt „Kirche, Kultur & Kontext“ neu lanciert.
Der neue Studiengang ist als Kernstudium in täuferisch-friedenskirchlicher Theologie konzipiert. In dieser inhaltlichen Profilierung eignet sich das Programm in besonderer Weise für Menschen, die im Rahmen einer theologischen Grundausbildung einen Studienschwerpunkt setzen wollen oder die neben ihrer beruflichen Tätigkeit eine Weiterbildung in täuferisch-friedenskirchlicher Theologie suchen. Angesprochen sind damit besonders auch Menschen, die sich voll- oder teilzeitlich oder auch ehrenamtlich in Gemeinde und Mission engagieren.
Parallel zu dem Angebot auf dem Bienenberg für die Schweiz und den süddeutschen Raum wird das Programm ab Herbst auch im Raum Bielefeld angeboten. Die Theoriemodule werden dort in den Räumen von Gemeinden angeboten, Studierende werden wöchentlich in einem Lernzentrum betreut.
Warum wir das an dieser Stelle berichten (schließlich gibt es im deutschsprachigen Raum doch jede Menge Fakultäten an den klassischen Hochschulen sowie Seminare in freier Trägerschaft, die theologisch ausbilden)? Im Neufeld Verlag erscheinen seit Jahren die Buchreihen Edition Bienenberg sowie Edition IGW, wir haben darüber hinaus immer wieder Bücher von Bienenberg-Dozenten (Bernhard Ott, Tim Geddert, David Shenk, Alfred Neufeld …) sowie IGW- “Beteiligten” (Uwe Heimowski, Heinrich Christian Rust …) verlegt; meine ganz persönlichen geistlichen und gemeindlichen Wurzeln sind wiederum eng mit dem Bienenberg verknüpft.
Dass nun ausgerechnet Bienenberg und IGW eine solche Partnerschaft beginnen, freut uns also ganz besonders. Wir glauben, das wird eine fruchtbare Sache …!
Markus Baum, Biograf Jochen Kleppers und Eberhard Arnolds (Letztere Neuausgabe ist in wenigen Tagen lieferbar!), ist wieder unterwegs zu Lesungen und Vorträgen rund um Jochen Klepper, der am 22. März vor genau 110 Jahren geboren wurde:
- Mittwoch, 20. Februar, 19.30 Uhr, Elbingerode, Diakonissenmutterhaus Neuvandsburg
- Montag, 11. März, 18.00 Uhr, Göttingen, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
- Dienstag, 12. März, Ev.-Reformierte Gemeinde Hannover
- Mittwoch, 13. März, 19.00 Uhr, Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
- Donnerstag, 14. März, 15.00 Uhr, EmK Friedrichroda
- Freitag, 22. März (genau am 110. Geburtstag also), Ev. Kirchengemeinde Berlin-Nikolassee
Wir können uns gewiss nicht beklagen, sondern freuen uns über jede Rezension und jeden Hinweis auf eins unserer Bücher in den Medien. Über manche Rezension freut man sich freilich ganz besonders – in diesem Fall, weil die Klepper-Biografie mir persönlich sehr am Herzen liegt und weil sich der Rezensent so richtig in die Lektüre vertieft hat: Sandro Göpfert, Pfarrer zur Anstellung in Mülsen, hat in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Theologische Beiträge (Heft 5 – Oktober 2012) auf S. 339f. die Jochen-Klepper-Biografie von Markus Baum besprochen. Sein Fazit:
„Eine Beschäftigung mit Leben und Werk Jochen Kleppers auf der Basis dieses Buches ist m. E. aus mehreren Gründen absolut lohnend …”
Ein ganz herzliches Dankeschön, Sandro Göpfert!
„Begeistert – Berufen – Befähigt“ – unter diesem Motto steht die vierte bundesweite Leiterschaftskonferenz der Initiative Geistliche Gemeindeerneuerung im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Die Tagung findet vom 23. bis 26. Januar 2013 in der Braunschweiger Friedenskirche statt und will Pastoren und Pastorinnen, Mitglieder aus Gemeindeleitungen und sonstige leitende Mitarbeiter aus Gemeinden in ihrem Dienst und Lebensweg zurüsten und ermutigen. Als Hauptreferenten sind Daniel Zindel und Käthi Zindel-Weber (Graubünden, CH), Maria Prean (Uganda) und Cris Rwakasiisi (Uganda) dabei.
Neben den beiden Büchern von Zindels – Geistesgegenwärtig führen – Spiritualität und Management sowie Lieben, leiten, leben – Das Ehebuch für Führungskräfte – liegt auf dem Büchertisch dann auch druckfrisch das neue Buch von Dr. Heinrich Christian Rust: Geist Gottes – Quelle des Lebens: Grundlagen einer missionalen Pneumatologie. Warum ist trotz der charismatischen Bewegungen und Aufbrüche der letzten Jahrzehnte nicht mehr geistliche Frucht sichtbar? Liegt es vielleicht daran, dass charismatische Erfahrungen und charismatisch geprägte Theologie nicht ausreichend in einer fundierten Lehre vom Heiligen Geist verankert sind?
Heinrich Christian Rust, bekannt für biblisch begründete Positionen und eine lebendige Mischung aus Nüchternheit und Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes, greift dieses zentrale Thema neu auf. Er bietet eine gut verständliche Orientierung und fordert heraus, das umfassende Wirken des Heiligen Geistes in dieser Welt, in der Gemeinde Jesu Christi und in jedem einzelnen Menschen neu wahrzunehmen. Das Vorwort stammt von Prof. Dr. Peter Zimmerling.
Prof. Dr. Jürgen Moltmann, Autor von u. a. Der Geist des Lebens (München 1991) und Die Quelle des Lebens. Der Heilige Geist und die Theologie des Lebens (Gütersloh 1997), meint dazu:
„Ein faszinierendes, sehr persönlich geschriebenes und gut lesbares Buch. Lebensberichte und theologisches Denken des Heiligen Geistes wechseln ab. Man liest immer weiter, denn man spürt das Fließen des Geistes in Gefühlen und Gedanken. Es handelt sich um die beste deutsche Einführung in die Mitte pfingstlicher und charismatischer Bewegungen, die dem Christentum neue Zukunft erschließen. Der Verfasser bewegt sich auf der Höhe der internationalen theologischen Entdeckung und Diskussionen über Person und Wirken des Geistes Gottes. Eine missionale Pneumatologie, die sich keine Gemeinde und kein Theologe entgehen lassen sollten.“
Zur Zeit ist die Konferenz in Braunschweig zwar ausgebucht, es ist aber möglich, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen.
Wenn die Sonne scheint und alles gut läuft, ist es nicht besonders schwer, an einen guten Gott zu glauben, oder? Doch wenn‘s im Leben ganz anders kommt und richtig weh tut, ist es auf einmal nicht mehr so leicht, Gott zu vertrauen. Wir beginnen zu fragen, warum Gott nicht eingreift. Ob er es denn überhaupt will. Oder kann. Und die Rede vom „lieben Gott“ geht uns nur noch schwer über die Lippen.
In solchen Zeiten kristallisiert sich auch heraus, wie tief unser Glaube verwurzelt ist. Ist er vor allem auf unsere Befindlichkeiten gegründet? Und was, wenn unser Vertrauen schwindet?
Tom Wright geht diesen Fragen in seinem Buch Kleiner Glaube – großer Gott (erscheint kommende Woche) ehrlich auf den Grund. In seiner faszinierenden Mischung aus klarem Denken und warmem Herzen nimmt er uns mit hinein in die lebendigen und oftmals herausfordernden Geschichten, wie die Menschen der Bibel Gott begegnet sind. Eine Entdeckung dabei lautet zum Beispiel: Wenn wir Jesus begegnet sind, sehen wir ihn nicht mehr durch den Nebel unserer Probleme. Wir sehen unsere Probleme im Lichte Jesu. Ein Buch für Menschen, die sich selbst nicht gerade für Glaubens-Riesen halten …
Tom Wright ist in Kürze übrigens in Deutschland: Er ist – zum Beispiel neben Wolfgang J. Bittner und Tobias Faix – Redner beim Gnadauer Mitarbeiterkongress „Neues wagen“ vom 24. bis 27. Januar 2013 in der Neuen Messe Erfurt.
Wer Tom Wright eigentlich ist? Nicholas Thomas Wright (geboren 1948), bekannt als N. T. oder Tom Wright, gilt als einer der weltweit führenden Theologen und Leben-Jesu-Forscher. Von 2003 bis 2010 war er anglikanischer Bischof von Durham, seitdem ist er Professor für Neues Testament und Frühes Christentum an der University of St. Andrews in Schottland. Bislang wurden ihm zehn Ehrendoktortitel verliehen. Er hat über 70 Bücher verfasst, populäre Sachbücher wie akademische Literatur.
Zwei weitere Bücher von Tom bzw. N. T. Wright sind soeben im Verlag der Francke-Buchhandlung erschienen. Tobias Faix hat den Autor dazu interviewt.
So lautet der Titel einer Tagung, die diesen Freitag in Herrenberg beginnt. Am 4. und 5. Januar 2013 laden der Arbeitskreis für evangelikale Missiologie, die Deutsche Evangelische Allianz, die Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Missionen, die Micha-Initiative, Stopp Armut 2015 und World Vision dazu ein, der Frage: „Was ist Evangelisation?“ nachzugehen.
In vier Einheiten soll von Freitag Vormittag bis Samstag Mittag das Thema sowohl aus theologischer Sicht als auch von der Praxis her bearbeitet werden. Dabei sind auch die Neufeld-Autoren Tobias Faix und Johannes Reimer. Letzterer bringt druckfrisch zur Tagung sein neues Buch Hereinspaziert! Willkommenskultur und Evangelisation mit, das soeben in der Edition IGW erschienen ist.
„Ich komme gerne in diese Gemeinde – hier fühle ich mich willkommen.“ Johannes Reimer weiß: Dieser Satz wird gerne gehört, aber selten gesagt. Denn die Kirche hat an vielen Stellen den Kontakt zu den Menschen in ihrem Umfeld verloren. Sicher, an evangelistischen Bemühungen und Aufwand fehlt es nicht, doch der Ertrag ist mager. Gottes außergewöhnliche Botschaft kommt ungewöhnlich schlecht an. Wieso? Stimmt etwas nicht mit unserer Theologie? Sind unsere Methoden verkehrt? Oder hat der moderne Mensch einfach kein Interesse mehr an Religion?
Reimer stellt (noch) eine ganz andere Frage: Könnte es sein, dass Christen und ihre Gemeinden als Fremdkörper in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden? Dann kann Evangelisation nicht gelingen. Denn die gute Nachricht von Hoffnung und Gnade gehört mitten hinein in das Leben der Menschen. Sie muss die Menschen erreichen, sie buchstäblich berühren.
Deshalb fordert der Autor die christliche Gemeinde heraus: Heißt die Menschen endlich willkommen, mit Wort und Tat, mit Raum und Zeit. Lasst euch ein auf die Kultur der Menschen, mit denen ihr unterwegs sein möchtet. Folgt Jesus.
Dieses Buch bietet eine Fülle von Ideen und praktischen Hilfen, um die eigene Gemeindekultur zu entdecken und zu entwickeln. Johannes Reimer ist überzeugt: Unsere Gemeinden können etwas bewirken, wenn sie das Potenzial ihrer Glieder erwecken und Gottes Reich mit einer Kultur der Liebe, der Annahme und der Teilhabe bauen. Herzlich willkommen auf diesem Weg!
Johannes Reimers Buch Gott in der Welt feiern – Auf dem Weg zum missionalen Gottesdienst (Edition IGW, bereits in der 2. Auflage) ist übrigens inzwischen in Curitiba, Brasilien, in einer portugiesischen Ausgabe erschienen: Celebrando Deus no mundo – Em busca do culto missional.

Am Montag, 10. Dezember jährt sich der Tod des Dichters und Schriftstellers Jochen Klepper zum 70. Mal. Das ist ein Grund, warum zur Zeit in etlichen Medien über Jochen Klepper geschrieben wird, unter anderem von dem sehr geschätzten Hans Steinacker (er war Verleger der Verlage Aussaat und Brendow und ist nach wie vor mit wachem Blick geistlich und publizistisch unterwegs). Ein anderer Grund: Kleppers geistliche Lieder sind etwas ganz Besonderes, darunter sind eben auch einige Lieder zu Advent, Weihnachten und dem Jahreswechsel (z. B. Die Nacht ist vorgedrungen). Ein Blick ins Gesangbuch lohnt sich also!
Und gleich noch ein Hinweis: Am kommenden Donnerstag, 13. Dezember, ist unser Autor und Klepper-Biograf Markus Baum zu einer Veranstaltung („Jochen Klepper – Herold und Hüter des Evangeliums“) in Bonn (16.30 Uhr; Ev. Gemeindeforum: Ökum. Seniorenkreis KLUPP 91).
Ich freue mich, dass unser Freund und Autor Uwe Heimowski sich künftig monatlich an dieser Stelle zu Wort melden wird. Tatsächlich sind wir schon lange verbunden, lernten uns Anfang der 1990er Jahre kennen, im Redaktionsteam der Jugendzeitschrift PUNKT (heute: dran). Das dritte Buch im Neufeld Verlag (Brunos Dankeschön – Geschichten von der Reeperbahn) stammte 2005 aus seiner Feder (dem eine ganze Reihe weiterer Bücher folgten), und wer beginnt, sich mit den Artikeln und Büchern von Uwe Heimowski zu beschäftigen, merkt schnell: Der kann erzählen! Und er hat was erlebt. Und was zu sagen.
Jeden zweiten Dienstag im Monat gibt es an dieser Stelle also Heimowskis Mutmacher – Gedanken aus dem kleinen und großen Alltag. Heute geht’s los – und zwar mit einer kurzen Vorstellung. Damit Ihr wisst, wer da eigentlich schreibt. Herzlich willkommen, lieber Uwe!
Schreiben, reden, telefonieren, recherchieren – die Tätigkeiten an sich unterscheiden sich nicht groß. Und doch sind es verschiedene Welten: die Arbeit als Pastor und die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag. Das ist eine ungewöhnliche Kombination, sicher. Aber sie entspringt und entspricht meinem Lebensweg, der auch eher ungewöhnlich ist. Und inhaltlich gibt es viele Parallelen.
Ein kurzer Rückblick: 1986 fand ich zum Glauben. Es folgte eine Therapie wegen einer Suchterkrankung. Dann eine Erzieherausbildung. Sozialarbeit für die Heilsarmee auf der Reeperbahn. Leitung einer AIDS-Beratungsstelle. Studium der evangelischen Theologie in Hamburg, Basel, Leipzig und Halle/Saale. Was sollte nun folgen? Mein Herz schlug für die Sozialarbeit. In einem ehemaligen Jugendwerkhof in Bad Köstritz, der von der Diakonie übernommen worden war, wurde ein Erziehungsleiter gesucht. Aufgabenschwerpunkt: Mitarbeiterschulung, pädagogische Verantwortung und der Aufbau einer Therapiegruppe für minderjährige Suchtkranke. Besonderes letzteres reizte mich aufgrund meiner eigenen Geschichte, und so zogen wir 1999 nach Ostthüringen. Nun suchten wir eine Gemeinde. Für uns, mich, meine Frau und unsere beiden Kinder, und für die Jugendlichen aus der Reha-Gruppe, denn zum Konzept gehörte (und gehört bis heute) der wöchentliche Gottesdienstbesuch. In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Gera wurden wir herzlich aufgenommen und fanden bald eine Heimat.
Dass ich zwei Jahre später die Anfrage bekommen würde, Pastor Franz Beutel nachzufolgen, der in den Ruhestand ging, hätte ich da niemals in Erwägung gezogen. Doch dann kam es so. Wir sahen Gottes Ruf in dieser Anfrage, ich gab meine Stelle als Erziehungsleiter auf, blieb aber in der Leitung der Reha-WG. Und so strickten wir ein Halbtagskonzept mit der Gemeinde. Wir definierten meine Aufgaben sehr klar. Für den Verwaltungsbereich stellten wir eine Sekretärin im Mini-Job ein.
Das setzte mich frei für pastorale Tätigkeiten. Mein Schwerpunkt neben Verkündigung und Seelsorge lag vor allem darin, eine neue Vision für die Gemeinde zu entwickeln. „Offen sein für Menschen in der Stadt“ – das war meine Vorgabe. Und so entstanden im Laufe der Jahre eine Menge neue Konzepte. Die Form der Gottesdienste änderte sich, kulturelle und soziale Projekte wurden begonnen, schließlich wurde ein Anbau nötig.
Ich selber engagierte mich in verschiedenen sozialen und politischen Gremien in der Stadt (etwa im Jugendhilfeausschuss). Daneben unterrichtete ich an der Berufsakademie in Gera und publizierte Artikel und Bücher. Nach fünf Jahren gab ich die Leitung der Reha-Gruppe ab und arbeitete neben der Gemeindearbeit als freiberuflicher Dozent und Coach.
To make a long story short: als dann ein Freund von mir für den Bundestag kandidierte, half ich in seinem Wahlkampfteam. Wir kannten uns und haben sehr ähnliche Ziele, das passte. Wir entwickelten ein Konzept, schrieben Texte – und er gewann tatsächlich die Wahl. Frank Heinrich ist der erste Heilsarmeeoffizier im Bundestag. Seine Schwerpunkte sind naheliegend: Arbeit und Soziales sowie Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Ich stieg als wissenschaftlicher Mitarbeiter ein.
Inhaltlich liegt das sehr nahe bei dem, was ich bisher auch getan habe: mich für benachteiligte Menschen einsetzen. Das war ein Schwerpunkt bei der Heilsarmee, und es prägt das Profil unserer Gemeinde.
Wie sieht das nun im Alltag aus? Die vielen Tätigkeiten müssen natürlich gut koordiniert werden. Die Aufgaben sind gewachsen. Unsere Familie besteht mittlerweile aus sieben Personen. Meine Frau Christine hat einige Jahre ihren Schwerpunkt auf die Erziehung gelegt. Anders wäre vieles nicht möglich gewesen. Mittlerweile absolviert sie ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium in Diakonik. Da hilft, dass meine beiden Berufe sehr viel selbständiges Arbeiten erfordern. Häufig habe ich Zwölf-Stunden Tage. Aber wann und wo ich arbeite, kann ich selber eintakten. Etwa alle fünf Wochen bin ich für eine Woche in Berlin. Gelegentlich gibt es Termine in Chemnitz, Frank Heinrichs Wahlkreis. Die meiste Zeit kann ich von Gera aus arbeiten. Und so habe ich schon manche Predigt im Zug vorbereitet. Und der eine oder andere „Sprechzettel“ (so nennt man im Bundestag eine thematische Zusammenfassung eines Themas) ist im Gemeindebüro entstanden.
Mir liegt diese Abwechslung sehr. Doch bleibt es eine tägliche Herausforderung, mich dabei nicht zu verzetteln. Zum Glück hat sich das Berliner Team in diesen zwei Jahren sehr gut eingespielt, und unsere Gemeindesekretärin ist die Zuverlässigkeit in Person. Ohne Teamplay wären die beiden Stellen nicht zu verknüpfen.
Inhaltlich lässt sich sehr vieles zwischen den beiden Tätigkeiten verbinden. Das liegt aber natürlich auch daran, dass mein Chef Christ ist. Wir beten auch im Bundestagsbüro miteinander. Und wir beschäftigen uns mit Themen, die für die Gemeinde nicht minder interessant sind: Humanitäre Hilfe in Ostafrika, Unterstützung für verfolgte Christen weltweit und etliches mehr. Wir konnten mit Ertan Cevik einen Baptistenpastor aus der Türkei in den Menschenrechtsausschuss einladen, der über die Situation der Christen berichtete. Viele andere christliche Gruppierungen waren schon in Berlin zu Gast. Besonders stehen wir der zur Evangelischen Allianz gehörenden Micha-Initiative nahe, die sich für die Erreichung der sogenannten Milleniumsziele einsetzt und Christen für Weltverantwortung sensibilisieren möchte. In der Gemeinde hat das Spuren hinterlassen: Wir haben in Gera ein Café eröffnet, das Global 26 (26 ist unsere Hausnummer), in dem fair gehandelte Produkte angeboten werden. Wir unterstützen Projekte in Russland und in Indien.
Zugleich gilt natürlich, die beiden Stellen auch wieder zu trennen. Menschenrechte sind nicht teilbar. Ein Muslim hat das gleiche Recht auf Unterstützung wie ein Christ. Jemand, der wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird, muss auf einen Menschenrechtler zählen können, egal, wie der seine Bibel zu diesem Thema versteht. Eine säkulare Initiative, die sich für Menschenrechte stark macht, muss ich genauso hören und anerkennen wie eine christliche. Ja, manche „christliche“ Initiative muss man sogar zurückweisen, weil sie einseitig und intolerant ist. Da muss man sich dann schon gefallen lassen, dass manch ein Kommentar lautet: „Und du bist Pastor?!“
Auch in der Gemeinde gilt natürlich: Das Evangelium schließt ein politisches und soziales Engagement ein – doch es erschöpft sich nicht darin. Verkündigung ist mehr. Ich muss der Gefahr widerstehen, das zu vermischen. Und noch eins: eine Gemeinde darf für mein Empfinden Menschen nicht parteipolitisch vereinnahmen. Mein Chef ist in der CDU. Ich selber bin parteilos. Christen gibt es in allen Parteien. Und in meiner Gemeinde muss jeder willkommen sein. Auch der politische „Gegner“ ist in Christus mein Bruder. Dieses Gut darf nicht verloren gehen.
Wir danken der Zeitschrift Die Gemeinde (dieser Beitrag erschien in Ausgabe 20/2011) für die freundliche Abdruckgenehmigung!









Wer schreibt denn da? Bin 1970 in Ingolstadt geboren und in Oberbayern und Ostwestfalen aufgewachsen. Seit 1995 verheiratet mit der wunderbaren Carolin. 2004 ging mit der Gründung des Neufeld Verlages ein weiterer Traum in Erfüllung. 