Kategorie: Rezensionen

 

Erstellt am 23. Dezember 2016 von

… ist auch eine Reise zu sich selbst, meint Silke Bauerfeind.

Sie ist Mutter eines nicht sprechenden Sohnes mit Autismus. Ihre Website „Ellas Blog“ hat sich zu einer gefragten Anlaufstelle für Eltern autistischer Kinder entwickelt. Dabei lässt sie auch andere zu Wort kommen, Autisten oder Eltern geben ihre Erfahrungen weiter.

 

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Vor wenigen Monaten hat Silke Bauerfeind „das Buch zu Ellas Blog“ herausgegeben, und es trägt genau diesen Titel:

Ein Kind mit Autismus zu begleiten, ist auch eine Reise zu sich selbst

Books on Demand, Norderstedt, 360 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-7412-2458-4, 18,90 EUR

 

24 Rezensionen bei einem bekannten Online-Händler sprechen schon fast für sich. Kompetent und einfühlsam, weil sie weiß, wovon sie schreibt, hat die Autorin eine Fülle von Artikeln zusammengestellt. Im Kurztext zum Buch heißt es:

Authentisch und lebendig berichtet die Autorin aus ihrem Familienleben und dem eigenen Er-Leben und trägt zudem Erlebnisse, Gedanken, Gefühle und Tipps von Familien mit autistischen Kindern zusammen.

So vermittelt sie Kenntnisse über das Autismus-Spektrum, die direkt aus dem Alltag der Familien gegriffen sind. Darüber hinaus stellt sie Checklisten und Anregungen zur Verfügung.

 

Sie nimmt auch die Situation von Eltern intensiv in den Blick:

Wie verändern sich familiäre Bindungen und Freundschaften? Wie fühlen sich Eltern von der Öffentlichkeit akzeptiert? Was kann man tun, um gesund zu bleiben? Wie verändern sich Wertvorstellungen, Träume und Lebenswege? Welche Chancen birgt ein Leben mit autistischem Kind?

Eltern, Geschwister und Bezugspersonen werden Erzählungen und Informationen, sowie viel Verständnis finden. Fachleuten und allen anderen Interessierten ermöglicht das Buch einen intensiven Einblick in das Zusammenleben von Eltern und autistischen Kindern.

 

„Es ist mein bisher persönlichstes Buch“, so die Bloggerin. „Aber erst die vielfältigen Erfahrungen anderer Familien, die einfließen durften, machen es für mich so wertvoll.“

Tatsächlich will Silke Bauerfeind damit kein weiteres Fachbuch vorlegen, sondern widmet sich vor allem der Elternperspektive, angereichert mit vielen Erfahrungen.

Mich hat dieses Buch berührt – und es stimmt, das besondere Leben mit einem autistischen Kind ist tatsächlich eine Reise zu sich selbst. Die birgt so manches Abenteuer und oft genug kommt sie einem wie ein Weg ins Ungewisse vor. Danke an Silke Bauerfeind!

Erstellt am 22. Dezember 2016 von

Auch wenn Jesus Klartext gesprochen und vor allem Geschichten erzählt hat – biblische Texte sind nicht immer einfach zu verstehen. Selbst wer regelmäßig Gottesdienste besucht, hat damit oft Probleme.

Wie schwer mag es dann für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder solche, die (noch) nicht gut Deutsch sprechen, sein?

In Zusammenarbeit zwischen dem Katholischen Bibelwerk e.V., dem Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg und den Thuiner Franziskanerinnen entsteht seit drei Jahren für jedes Sonntagsevangelium eine Übertragung in Leichte Sprache. Dabei werden die Texte theologisch und auf ihre Verständlichkeit hin geprüft.

 

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Die starke Nachfrage hat dazu geführt, dass es die Evangelien des Lesejahrs A jetzt in Buchform gibt – rechtzeitig zum neuen liturgischen Lesejahr. Die Gestaltung mit einem leicht lesbaren Schriftbild lädt dazu ein, es im Gottesdienst zu verwenden.

Lektorinnen und Lektoren sowie Gottesdienstverantwortliche finden außerdem zu jedem Text Erläuterungen zur Übertragung sowie Vorschläge für die Katechese.

Für Dieter Bauer, einem der Initiatoren des Projekts im Katholischen Bibelwerk e.V., ist das Evangelium in Leichter Sprache ein wichtiges Inklusionsprojekt, um Menschen mit Lernbehinderungen einen Zugang zur Bibel in der Liturgie zu ermöglichen.

Was ist Leichte Sprache?

Als Leichte Sprache wird eine barrierefreie Sprache bezeichnet. Sie hat einfache, klare Sätze, ein übersichtliches Schriftbild, klare Gliederung und erklärende Bilder. Das Ziel der Leichten Sprache ist Textverständlichkeit.

 

Und was heißt eigentlich „Evangelien der Sonn- und Festtage im Lesejahr A“? Wikipedia hilft uns auf die Sprünge:

Die Leseordnung der katholischen Kirche legt die biblischen Textstellen fest, die im Gottesdienst gelesen werden. So werden die wichtigsten Textstellen der Bibel in einem dreijährlichen Turnus vorgetragen. Jedes Jahr ist einem der drei Evangelisten Matthäus (Lesejahr A), Markus (Lesejahr B) und Lukas (Lesejahr C) gewidmet, das heißt, es wird also vorwiegend daraus gelesen.

 

Ich habe bei uns im Gottesdienst neulich gleich mal einen Abschnitt aus dieser Bibel-Ausgabe verwendet – und finde, das sind sehr schöne Texte. Es schadet schließlich nicht, wenn jeder versteht, was man da so liest …

 

Bibel in Leichter Sprache
Evangelien der Sonn- und Festtage im Lesejahr A
ISBN 978-3-460-32194-6
EUR 39,90 · ca. 352 Seiten, gebunden

Erstellt am 28. April 2016 von

„Hoppla … was ist das denn – Jesus im Rollstuhl? Das geht doch nicht. Obwohl … vor Gott sind alle Menschen gleich“, schrieb das Magazin „Caput“ über das Motiv „Gnadenstuhl“ aus dem Bildband Holy Arrangements – Heilige Inszenierungen (Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2015).

Foto-Künstler Andreas Maria Kahn wählte für seinen Bildband als Medium die Akt-Fotografie. Inspiriert von alten Meistern wie Da Vinci, Michelangelo, Caravaggio interpretiert Kahn biblische Szenen und Personen neu. Auch wenn viele Heilige in Öl auf Leinwand bereits vor Jahrhunderten ebenfalls nackt dargestellt wurden und heute kaum Protest hervorrufen, dürften diese Aufnahmen manchen durchaus provozieren.

 

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Besonders ist allerdings – und deswegen haben wir dieses Buch überhaupt auf den Tisch bekommen –, dass Jesus in diesem Bildband von dem spastisch gelähmten Performancekünstler Roland Walter dargestellt wird. O-Ton Roland Walter:

„Jesus im Rollstuhl. Für viele unvorstellbar. Dabei kam Jesus zu uns auf die Erde, um sich mit dir und mir auf eine Stufe zu stellen. Von daher habe ich mich gefreut, als mich Andreas Maria Kahn gefragt hat, ob ich Jesus darstellen möchte.“

Erstellt am 14. September 2015 von

Inzwischen arbeiten bereits einige Kirchen und Gemeinden mit dem Buch Neunmalweise – Lebensmuster zum Nachmachen und Selberglauben (auch als E-Book erhältlich) von Christoph Schmitter, wenn es darum geht, Menschen im christlichen Glauben zu begleiten.

Im Sommer war das Buch kurzzeitig vergriffen; nun liegt es in der zweiten Auflage vor und kann wieder bestellt werden.

Die neun LebensMuster, die Schmitter sehr kreativ erläutert, helfen dabei, dass Christsein kein Lippenbekenntnis oder eine Sonntagsgewohnheit bleibt. Zu jedem Kapitel hat der Autor sogar ein witziges Filmchen gedreht. Diese Filme und Material für Kleingruppen findet man hier.

Seit einiger Zeit bietet Christoph Schmitter auch ein Neunmalweise-Seminar für Gemeinden an.

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Hier einige Stimmen aus der Praxis:

„Das Seminar zu den Beziehungen in unserem Leben hat unsere Sofagruppenleiter persönlich und in der Leiterschaft weitergebracht. Christoph Schmitter referiert authentisch, lebensnah, kreativ, bewegend und zum Nachdenken anregend. Die Selbsterarbeitung bringt das eigene Beziehungsnetzwerk ans Licht. 90 wertvolle Minuten, die man nicht so schnell vergisst.“

Konstantin von Abendroth, Pastor Berlinprojekt

„Einige Gemeinden und Gründungsinitiativen haben Neunmalweise bereits genutzt. Es wird in Hauskreisen gelesen und in Predigtreihen umgesetzt. Das Buch eignet sich auch für Menschen, die mit Christsein wenig anfangen können.“

Sascha Rützenhoff, Leiter der FeG-Inlandmission

„In unserer Gemeinde haben inzwischen zwei Hauskeise das Buch Neunmalweise gelesen. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Hauskreisteilnehmer, die gerade durch den Alphakurs zum Glauben gekommen waren, haben es begeistert gelesen. Das Buch hat ihnen geholfen, den Glauben zu vertiefen, zu festigen und viele Fragen zum gelebten Glauben zu beantworten. Daher planen wir, Neunmalweise ab jetzt kontinuierlich als ,Betakurs‘ im Anschluss an die Alphakurse anzubieten.“

Joachim Hipfel, Pastor FeG Saarbrücken

„Wir mögen Geschichten und können uns Bilder besser merken als Regeln. Diese einfachen Wahrheiten nutzt Neunmalweise und der Ansatz gefällt – also haben wir in der CityChurch München eine Reihe für unsere Gottesdienste und Kleingruppen daraus gemacht. Uns war schnell klar: eine absolute Stärke liegt in den einfachen Bildern. Die vergisst niemand und man kann sie direkt auf den Alltag anwenden – auch dank der guten Materialien auf der Homepage.“

Benjamin Koch, bis 2013 Pastor CityChurch München

„Christsein ist unterwegs sein. Neunmalweise ist ein toller Wegbegleiter. Ich finde es gut, zentrale Lebensthemen herauszugreifen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Präsentiert wird das Ganze sehr lebensnah und unterhaltsam und doch praktisch und tiefgehend. Ich habe eine Predigtreihe draus gemacht und sie einmal im Monat gepredigt. Öfter macht m. E. keinen Sinn, da die Kapitel echte Denk- und Arbeitsanregungen sind. Toll auch das Arbeitsmaterial (Gruppenentwürfe in dreierlei Intensität und Videoclips). Uneingeschränkte Empfehlung!!!“

Tobias Radtke, Pastor FeG Elberfeld

Erstellt am 30. Juni 2015 von

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Simone & Bernhard Guido mit Kathrin Schadt

Tim lebt!

Wie uns ein Junge, den es nicht geben sollte, die Augen geöffnet hat

Gebunden mit Schutzumschlag, 16 S. Bildteil, 272 Seiten

adeo, Aßlar 2015

Im Verlagstext zu diesem Buch heißt es:

„Als wir damals an seinem Bettchen standen und er uns mit seinen blauen Augen anschaute, stand unsere Entscheidung eigentlich gleich fest: Wir nehmen ihn auf. Und wir haben es nie bereut. Er hat unser Leben reich gemacht, trotz aller Probleme.

Tim war nicht gewollt, seine Mutter hat ihn in der 25. Schwangerschaftswoche abtreiben lassen, weil er das Down-Syndrom hat. Aber er wollte nicht sterben. Stundenlang lag er unversorgt im Kreißsaal und wurde schließlich nach einem Schichtwechsel gerettet. Sein Gehirn hat dabei schweren Schaden genommen, außerdem ist er Autist. Als ,Oldenburger Baby‘ hat er Medizingeschichte geschrieben und wurde zum Symbol einer Debatte um späte Schwangerschaftsabbrüche und ihre rechtlichen und ethischen Konsequenzen.“

Simone und Bernhard Guido

 

Ein Buch, das nicht verurteilt, aber Menschen wachrüttelt in einer Zeit, in der der medizinische „Fortschritt“ immer mehr und immer früher einschreitet – ins Wunder Leben.

Eine Familie, ein Ehepaar, das sich einlässt auf ein anderes Leben. Das dafür unheimlich viel Kraft aufwendet, und sich doch reich beschenkt fühlt. Das anders lebt, tiefer atmet, einer inneren Berufung folgt …

Und ein junger Mann, der kämpft. Von der ersten Minute an. Für das Leben – für sein Leben. Und nebenbei für einen anderen Blick der Gesellschaft auf „lebenswertes Leben“.

Danke, Familie Guido, danke, Tim! Danke, Gott, für diese Familie – und jedes Leben!

Carolin Neufeld

Erstellt am 12. Februar 2015 von
Dieser wunderschöne, wahre und doch so notwendige Satz war offenbar – das wusste ich noch gar nicht – der Titel einer Ansprache des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker bei der Eröffnungsveranstaltung der Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte am 1. Juli 1993 im Gustav-Heinemann-Haus in Bonn.
Nun hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kürzlich unter dem Titel „Es ist normal, verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ eine neue Orientierungshilfe veröffentlicht. Sie reflektiert die sozial- und bildungspolitischen Herausforderungen durch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und deren Konsequenzen besonders für die evangelische Kirche und ihre Diakonie.

 

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„Mit dem Wort Inklusion wird ein Paradigmenwechsel markiert. Es geht nicht mehr um die Integration einer kleinen abweichenden Minderheitsgruppe in die ‚normale‘ Mehrheit. Vielmehr soll die Gemeinschaft so gestaltet werden, dass niemand aufgrund seiner Andersartigkeit herausfällt oder ausgegrenzt wird“, stellt  der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, im Vorwort der Orientierungshilfe fest.

„Mit dieser Orientierungshilfe möchte der Rat der EKD Menschen in Kirche und Diakonie, aber auch politische Verantwortungsträger und persönlich Betroffene ermutigen, sich in den Diskurs um eine inklusive Weiterentwicklung des Gemeinwesens einzubringen“, so der Ratsvorsitzende. „Mut und Kreativität sind dabei genauso gefragt wie Professionalität und ein sensibler Umgang mit Vielfalt.“

Das Dokument umfasst fünf Kapitel, die

  • Inklusion als einen Paradigmenwechsel beschreiben,
  • theologische Orientierungen zur Inklusion vermitteln,
  • grundlegende Aufgaben von Inklusion benennen,
  • Aufgaben von Inklusion in verschiedenen Handlungsfeldern konkretisieren,
  • Chancen von Inklusion für Kirche und Gemeinde aufzeigen.

Mit ihrer Orientierungshilfe wendet sich die EKD an alle, die sich in Kirche und Diakonie, Politik und Gesellschaft, Bildung und Erziehung oder familiär und persönlich mit den Fragen der Inklusion auseinandersetzen. Sie wurde von einer vom Rat der EKD eingesetzten Kommission erarbeitet, der Experten aus Kirche, Diakonie, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft angehörten.

Der Band Es ist normal, verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft ist erschienen im Gütersloher Verlagshaus, hat 192 Seiten und kann zum Preis von 7,99 € über den Buchhandel bezogen werden. Sie steht auch online zum Herunterladen bereit.

Beim Reinlesen fand ich etwa den Abschnitt über Pränataldiagnostik treffend und gut – ein eindeutiges Werben für das Leben und eine Ermutigung für (werdende) Eltern. Sogar der Welt-Down-Syndrom-Tag (der ja am 21.3. wieder bevorsteht) wird erwähnt. Schön!

Erstellt am 9. Januar 2015 von

Vielleicht geht es anderen Eltern da ja anders – aber wir waren zu Beginn so mit unseren Kids beschäftigt, dass wir gar nicht auf die Idee gekommen sind, uns mal ausführlich schlau zu machen, was es an Förderung und Unterstützung für Familien mit behinderten Kindern gibt. Leider setzt sich ja selten jemand mit einem hin, um darauf hinzuweisen, welche Möglichkeiten man überhaupt hat.

  • Bis wir unseren ersten Behindertenausweis beantragt haben, hat es also ein wenig gedauert …
  • Erst spät haben wir mitbekommen, dass Fahrten mit dem privaten PKW steuerlich absetzbar sind, bis 3.000 oder sogar 15.000 Kilometer im Jahr (z. B. Merkzeichen „H“).
  • Das Thema Behindertentestament liegt noch vor uns, und ich bin froh, dass unsere Schule demnächst wieder einen Infoabend dazu anbietet – da braucht es ja offenbar wirklich erfahrene Fachleute.

Glücklicherweise gibt es in Deutschland vielfältige Förderungen, und es lohnt sich durchaus, sich damit mal zu beschäftigen – auch wenn man seine Nase sonst nicht so wahnsinnig gerne in solche Texte steckt.

Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt es kostenlos den Ratgeber für Menschen mit Behinderung. Auf meinem Schreibtisch liegt aktuell die Ausgabe 2014, und Aktualität ist bei sich immer wieder mal ändernder Rechtslage ja durchaus sinnvoll. (Mit anderen Worten: Durch die leichte Anhebung der Pflegesätze ab 2015 ist dieses Buch teils schon überholt …) Den Großteil dieses fast 700 Seiten starken Buches machen denn auch tatsächlich Gesetzestexte aus (Sozialgesetzbuch, UN-Behindertenrechtskonvention etc.).

Betsellen kann man sich den Ratgeber per E-Mail an publikationen@bundesregierung.de oder online unter www.bmas.de.

 

Ein anderes Buch mit ähnlichem Charakter liegt auf meinem Schreibtisch: Recht und Förderung für mein behindertes Kind – Elternratgeber für alle Lebensphasen – alles zu Sozialleistungen, Betreuung und Behindertentestament.

 

9783423507455

 

Verfasst wurde dieser Ratgeber von Jürgen Greß, der offenbar jahrelange Erfahrungen in der Beratung von Menschen mit Behinderung hat.

Dieser Rechtsberater informiert über Sozialleistungen und Rechte, die Eltern mit behinderten Kindern zustehen. Er behandelt Fragen zu ausgewählten Lebenssituationen mit einem behinderten Kind (z. B. Geburt, Schulbesuch, Ausbildung, Volljährigkeit und Auszug aus dem Elternhaus). Und Greß stellt die Voraussetzungen für Sozialleistungen (wie Sozialhilfe, Grundsicherung, Kranken- und Pflegeversicherung, Kindergeld etc.) ausführlich dar. Schließlich bietet dieser Ratgeber auch Informationen zu gesetzlicher Betreuung und den Möglichkeiten des Erbrechts, um behinderte Kinder über den Tod der Eltern hinaus abzusichern.

Mir liegt leider nicht die aktuelle zweite Auflage vor, sondern die erste (März 2009). Die zweite Auflage wurde wohl komplett überarbeitet (Rechtsprechung bis November 2013). Schwerpunkte dieser Neuauflage sind:

  • Leistungen der Grundsicherung
  • Pflegeversicherungsreform 2012
  • Änderungen beim Kindergeldbezug
  • Schulbegleitung/Integrationsassistenz, Schulgeld, Inklusion
  • UN-Behindertenrechtskonvention
  • Schwerbehindertenausweis
  • Neue Rechtsprechung zum „Behindertentestament“, Erbrechtsreform 2010

Ich meine: Ein Buch zu diesem Thema sollten Eltern behinderter Kinder sich anschaffen und dann mindestens einmal durchblättern. Von so mancher Entdeckung dürften sie nämlich profitieren. Und hier und da werden sie dann ohnehin das Gespräch mit Fachleuten suchen.

Erstellt am 3. Dezember 2014 von

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David Jaffin

„… und geh in ein Land, das ich dir zeigen will“

Autobiografische Anmerkungen

96 Seiten, Paperback, 13,5 x 21 cm

 

Diese Neuauflage der Autobiografie von Dr. David Jaffin erschien im Sommer in unserem Dienstleistungsverlag Edition Wortschatz. Jaffin ist Pfarrer im Ruhestand und lebt heute in Oberbayern. Und er ist weiterhin unglaublich produktiv: Täglich schreibt er 15 bis 20 englische Gedichte; der 33. Gedichtband Taking Leave ist soeben aus der Druckerei gekommen.

Hans Steinacker, langjähriger Wegbegleiter und sehr geschätzter ehemaliger Verlagsleiter des Aussaat Verlages und dann des Brendow Verlages, hat eine Rezension zu den neu aufgelegten Lebenserinnerungen David Jaffins verfasst:

 

Die Liste der veröffentlichten Bücher von David Jaffin ist beachtlich, namentlich die seiner englischsprachigen Titel. So ungewöhnlich wie seine umtriebige Schreib- und auch Vortragsaktivität ist sein Leben. Der quirlige Zeitgenosse verblüfft in jeder Weise. Als Junge jüdischer Eltern mit Wurzeln in Osteuropa ist er mit zwei Schwestern in dem heißen Schmelztiegel New York aufgewachsen. Dort wurde der Baseball-Amerikaner zum Dichter David, der nach dem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und  Psychologie zum Dr. phil. promoviert wurde.

Jaffin hat nicht nur geografisch einen sehr weiten Weg zurückgelegt. Stationen waren nach seiner Bekehrung das Theologiestudium in Tübingen, das ihn als lutherischer Pfarrer mit bewusst pietistischer Prägung nach Württemberg führte.

Mit anschaulichem Humor gewährt er uns Einblick in seine Lebensphasen. Dabei kann es sich nicht versagen, immer wieder seine Ehefrau Rosemarie aus Bayern als den guten Engel seiner ungewöhnlichen Führung ins Gespräch zu bringen.

Was hätte er nicht noch alles zu erzählen, wenn er sich zu einer umfangreicheren Biografie hätte hinreißen lassen.

In seinen fast halbjährlich in Englisch erscheinenden Gedichtbänden verarbeitet er in expressionistischer Sprache alltägliche Impressionen. Der Sprachkünstler lyrischer Wortkaskaden, ebenfalls auch ein großer Liebhaber des Gottesvolks Israel, lässt uns an seiner kulturellen Begeisterung teilhaben. Ein Gemälde  von Carragio, ein Smetana-Quartett oder ein Roman von Dostojewski sind für ihn gute Gaben Gottes.

Erstellt am 3. November 2014 von

 

 

Sontje

 

Einfach Sontje

Fotos von Maria Irl und Charlotte Sattler

Texte von Michaela Hilgner

Gebunden, 36 Seiten

Deutsches Down-Syndrom InfoCenter, Lauf 2014

 

Vor einer Woche wurde diese druckfrische Herbst-Neuerscheinung in Nürnberg der Öffentlichkeit vorgestellt – und ein frisches Buch ist es wirklich.

In unserem Bücherschrank steht noch immer das Buch Albin Jonathan – Unser Bruder mit Down-Syndrom, das vor 20 Jahren herausgegeben wurde. Die Idee war damals, Geschwisterkindern, Familien und Kindergärten kindgerecht zu vermitteln, wie das Leben mit einem Bruder oder einer Schwester mit Down-Syndrom so aussehen kann. Manchmal ist es anders, aber oft ist der Familienalltag so wie in anderen Familien auch. Die kurzen Texte werden dabei illustriert durch Fotos aus dem realen Familienalltag.

Wir haben dieses Buch sehr geliebt und ich war ganz schön beeindruckt, als ich Albin Jonathan vor einigen Jahren persönlich begegnet bin – ein junger Mann, der seinen Weg geht!

Nun hat das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter in Lauf nach etlichen Monaten Vorlauf ein aktuelles Buch herausgegeben, nämlich Einfach Sontje. Die Idee ist dieselbe:

Es ist schön, eine kleine Schwester zu haben. Und wie ist es, wenn sie das Down-Syndrom hat? Auch schön – das weiß Antonia ganz genau!

Die große Schwester erzählt in diesem Kinderbuch über den Alltag von Sontje und ihrer großen Familie. Ein Alltag, der bunt, manchmal anstrengend und vor allem glücklich ist.

Sontje und die gesamte Familie Biermann-Steinhausen – vielleicht kennen manche ihre Bilder bereits von Conny Wenks Wandkalender A little extra oder auch dem Buch Außergewöhnlich – haben einige Monate lang Einblick gewährt in ihren Alltag. Und es ist ein sehr schönes, einladendes und gewinnendes Buch herausgekommen.

Im Nachwort schreibt Cora Halder:

Einfach Sontje kann Fragen beantworten, Vorurteile aus dem Weg räumen und Verständnis wecken. Deshalb soll das Buch überall, wo Kinder mit Down-Syndrom leben, lernen und spielen, angeschaut und (vor)gelesen werden.

Stimmt. Herzliche Empfehlung also auch von hier aus, und Glückwunsch zu diesem Buch!

Erstellt am 19. August 2014 von

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Sandra Roth

Lotta Wundertüte

Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl

Gebunden mit Schutzumschlag, 272 Seiten

Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013

 

Ein absolut lesenswertes Buch – allen empfohlen, die drinstecken oder mal reinschauen wollen in ein Leben mit einem behinderten Kind, wo plötzlich die Welt Kopf steht. Wo nichts mehr so ist, wie man es vorher geplant hat. Wo Planen oft gar nicht mehr möglich ist. Lotta, die “Wundertüte”, ist ins Leben getreten und man weiß nun mal nie, was in einer Wundertüte steckt.

Sandra Roth, Jahrgang 1977, ist freie Autorin u. a. für DIE ZEIT oder Brigitte. Lotta Wundertüte ist ihr erstes Buch, und darin erzählt sie authentisch und liebevoll von den ersten drei Jahren mit Lotta. Es ist wunderbar geschrieben und hat mich tief berührt.

Sandra Roth beschreibt ehrlich den Kampf mit sich selbst, das Ringen als Ehepaar, die Auseinandersetzungen mit und gegen Ärzte und deren Meinungen. Dazu die vielen Fragen mit großer Tragweite: Wie werden wir dem Bruder gerecht? Müssen wir endlich annehmen, dass sie sich vermutlich nie allein wird fortbewegen können – oder geben wir damit zu früh auf? Wie viel Therapie ist zu viel, wie viel zu wenig?

Und mittendrin: das Mädchen Lotta, “zickig, zäh, süß und schwerbehindert”.

Das Buch nimmt uns mit zu unzähligen Krankenhausaufenthalten – und es gibt tiefe Einblicke etwa in Sinn und Unsinn von Pränataldiagnostik oder auch Inklusion. Wir lesen vom kräftezehrenden Bemühen um Hilfsmittel sowie einen Kindergartenplatz – nachdem die Politik den heilpädagogischen Kindergarten in Köln mal eben für überflüssig erklärt hat … Und die Autorin erzählt von ihrem Wunsch, dass die Menschen auf der Straße Lotta in die Augen schauen und nicht auf ihren schiefen Hals.

Danke, liebe Sandra Roth, für soviel Offenheit und Mut! Und wer jetzt unbedingt noch wissen will, was Lotta eigentlich genau hat – dem sei gesagt: Lotta hat … eine phantastische Familie!

Carolin Neufeld

  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel ist voll von Geschichten und Bildern darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er eine Menge Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

    Für uns hat unser Slogan eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern.

  • Dennoch ist unsere Welt weit davon entfernt, Menschen mit Behinderung grundsätzlich willkommen zu heißen – vielen wird nicht mal gestattet, überhaupt zur Welt zu kommen. Und von gelebter Inklusion, dem echten Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap in allen Bereichen unseres Alltags, sind wir auch noch ein gutes Stück entfernt. Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.