Jünger wird man unterwegs

Erstellt am 12. November 2012 von

 

 

 

 

Dallas Willard ist „eigentlich“ Professor für Philosophie an der University of Southern California in Los Angeles. Seine erfolgreichen Bücher zu Fragen rund ums Christsein gehören international längst zu den Klassikern. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet, und Willard prägte damit Autoren wie Gordon MacDonald, John Ortberg, Brennan Manning, Richard Foster oder Henri Nouwen. Dabei zieht sich Dallas Willards Anliegen wie ein roter Faden durch seine Veröffentlichungen: „Das Problem der Kirche ist ihre Passivität. Leider haben allzu viele Christen offenbar nicht verstanden, dass Gnade nicht das Gegenteil von Bemühen ist, sondern von Verdienst.“ Dallas Willard betont, wie wichtig es ist, sich bewusst dafür zu entscheiden, Jesus nachzufolgen. Jemand zu werden, der sein Leben mit Jesus verbringt. Jemand, der lernt, wie Jesus zu sein. Denn das geschieht nun mal nicht von selbst.

Ein wichtiger Aspekt dieser Entscheidung, ein Jünger Jesu zu sein, ist die Suche nach Wegen, die dabei helfen, Christus ähnlicher zu werden: Wie gestalten wir unseren Alltag so, dass die „Frucht des Geistes“ – Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Galater 5,22–23) – in uns wachsen kann? Die jahrhunderte alte Praxis geistlicher Übungen wie Gebet, Gemeinschaft, Dienst, Studium, Einfachheit, Enthaltsamkeit, Einsamkeit oder Fasten können uns auch heute dabei helfen, so Willard.

Es ist kein Zufall, dass wir dieses Thema mit inzwischen einer ganzen Reihe von Büchern „umkreisen“ – Die Kraft der unscheinbaren Kleinigkeiten von Gary L. Thomas, Verwandelt in Gottes Nähe von Anders-Petter Sjödin, Bruder Lorenz, oder demnächst auch Frank Laubach in unserer Reihe Klassiker der christlichen Spiritualität.

Soeben erschien die zweite Auflage von Dallas Willards Buch Jünger wird man unterwegs – Jesus-Nachfolge als Lebensstil. Es ist kein Buch, das sich in spezieller Weise an Pfarrer wenden würde. Aber Kapitel 11 unter der Überschrift „Wie pflege ich meine Seele? (Nicht nur) für Pastoren“ möchte ich heute ganz besonders empfehlen:

„Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!“ Sprüche 4,23; Hoffnung für alle

Die Berufung von Gott, das Evangelium zu verkündigen, ist eine ehrenvolle Aufgabe, aber auch eine stattliche Herausforderung. Mit ihr sind zum einen besondere Möglichkeiten verbunden, zum anderen bedeutet sie aber auch eine spezielle Bürde und Gefahren für denjenigen und seine Familie. Die Last kann erfolgreich getragen und die Gefahren können siegreich abgewendet werden, aber nur dann, wenn der „innere Mensch“ (2. Korinther 4,16) stetig erneuert wird. Er braucht einen ständigen Zugriff auf die Reichtümer Gottes.

Die Seele und das große Gebot der Liebe

„Seele“ definiere ich hier als die verborgene bzw. geistliche Seite des Menschen. Dazu gehören Gedanken, Gefühle und das Herz, also auch der Wille mit seinen Absichten und Entscheidungen. Aber auch das körperliche Leben und die sozialen Beziehungen sind mit eingeschlossen, weil ihr Wesen und ihre Bedeutung genauso unsichtbar sind. Damit ist „Seele“ sehr weit gefasst und kommt dem nahe, was man im alltäglichen Leben damit verbindet. Das ist für analytische Zwecke nicht ganz ideal, mag für unsere Betrachtung aber erst einmal genügen.

Der Schlüssel zu einem starken, gesunden und fruchtbaren Leben als Pastor liegt darin, wie gut ich in den verborgenen Räumen meines Selbst mit Gott zusammenarbeite. Denn der sichtbare Teil meines Lebens basiert unausweichlich auf meinem inneren Wesen. Hier entscheidet es sich, ob mein Leben gute oder schlechte Früchte trägt. Talent, äußere Umstände und besondere Momente tragen nur wenig dazu bei. Ein guter Baum bringt gute Früchte, sagt Jesus (Matthäus 7,17). Wenn ich den Baum pflege, kommt die gute Frucht von selbst.

Mir scheint, dieser Mann hat etwas zu sagen … und andere sehen das offenbar ähnlich: „Wer sich ernsthaft mit dem Thema Nachfolge auseinandersetzen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei“, meint Michael Gerster. Jörg Ahlbrecht von WillowCreek Deutschland empfiehlt „dieses Buch dringend jedem, der sich danach sehnt, geistlich zu wachsen“ und Maria Hofmeister von der Alpha-Buchhandlung Köln findet dieses Buch „sehr empfehlenswert, besonders, es im Gespräch mit anderen Christen zu lesen. Lebensverändernd, tiefgehend, herausfordernd.“

Nicht nur vom Titel, sondern ganz gewiss auch vom Inhalt her bietet sich dieses Buch offenbar hervorragend als Geburtstagsgeschenk an …

 


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  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel ist voll von Geschichten und Bildern darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er eine Menge Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

    Für uns hat unser Slogan eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern.

  • Dennoch ist unsere Welt weit davon entfernt, Menschen mit Behinderung grundsätzlich willkommen zu heißen – vielen wird nicht mal gestattet, überhaupt zur Welt zu kommen. Und von gelebter Inklusion, dem echten Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap in allen Bereichen unseres Alltags, sind wir auch noch ein gutes Stück entfernt. Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.