Nächste Woche: Erben des Schweigens

Erstellt am 17. Juli 2013 von

Sabine Dittrich ist eine beeindruckende Frau. Ich lernte sie vor allem als engagierte Inhaberin der Buchhandlung G. A. Grau & Cie. in Hof kennen (die 1722 gegründet wurde und damit die fünftälteste in Deutschland ist). Sie ist eine Vollblutunternehmerin, kreativ und umtriebig, was z. B. außergewöhnliche Veranstaltungen angeht. Und außergewöhnliche Bücher. Und sie ist eine Geschichtenerzählerin („andere stricken Pullover, ich stricke Geschichten …“ ). Live durfte ich davon schon ein bisschen etwas erleben, als ich zu Gast bei ihren kulinarischen Lesungen war.

 

Sabine Dittrich

 

Und dann hat sie uns ein Manuskript angeboten, Erben des Schweigens:

Wer bin ich wirklich? Woher komme ich? Was bestimmt mein Leben? Grundsätzliche Fragen brechen auf, als die selbstständige Grafikerin Jael Winterstejn bei einem Sommerspaziergang im Rheintal zufällig einen Grabstein entdeckt, auf dem ihr Name steht.

Die Suche nach der Geschichte, die sich hinter diesem Grabstein verbirgt, wird nicht nur zu einer Reise in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie, sondern rührt an andere dunkle Geheimnisse. Fragen von Schuld und Vergebung, Rache und Versöhnung werden plötzlich ganz aktuell und persönlich.

Sie führt zu Begegnungen in Prag und im ehemaligen Sudetenland. Dort trifft Jael den sympathischen Tschechen Radek …

Sabine Dittrich ist mit diesem Roman eine lebendig erzählte, packende Geschichte gelungen, in der das Lebensgefühl mehrerer Generationen aufeinander trifft. Eine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte: deutsch-jüdische und deutsch-tschechische Vergangenheiten, Krieg und Vertreibung. Und eine aktuelle Geschichte, die die Frage aufwirft, wie Beziehungen gelingen können und wie die Verstrickung in Schuld überwunden werden kann.

 

Erben des Schweigens

 

Warum gerade dieses Thema? Sabine Dittrich sagt von sich, sie sei selbst eine Erbin des Schweigens: Ihr Vater, Jahrgang 1922, schwieg bis zu seinem Tod über seine Kindheit und Jugend in Oberschlesien, über Erlebnisse an der Ostfront, die russische Gefangenschaft und die Jahre nach dem Krieg.

Und warum ein Buch über deutsch-tschechische Geschichte? Sabine Dittrich ist seit 37 Jahren mit Ivana Vankova, der das Buch gewidmet ist, befreundet. Die beiden glauben, dass das Buch zum Nachdenken und Versöhnen beitragen kann. Auch wenn es nicht allen Lesern gefallen wird: manchen Sudetendeutschen nicht und manchen älteren Tschechen auch nicht. Die Ressentiments auf beiden Seiten sind teilweise noch stark. In der Tschechischen Republik sind sie so stark, dass durch das Sudetendeutsche Thema sogar die Präsidentenwahl Anfang 2013 beeinflusst wurde.

Und weil ihr diese Themen so wichtig sind, hat die Autorin auch gleich weiter gedacht: Auf der Website www.erbendesschweigens.de gibt es Zusatzmaterial – Bilder, vertiefende und weiterführende Informationen zur Zeitgeschichte sowie Vorschläge zur Gestaltung von Unterrichts- und Gruppenstunden.

Und natürlich – für den Herbst sind bereits mehrere Veranstaltungen mit Sabine Dittrich geplant. Nun aber Vorhang auf für Erben des Schweigens – Anfang nächster Woche erscheint der Roman. Ich (das ist wieder mal das Glück, wenn man Bücher schon genießen darf, bevor sie gedruckt auf dem Tisch liegen) habe ihn jedenfalls in einem Zug gelesen …


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    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel ist voll von Geschichten und Bildern darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er eine Menge Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

    Für uns hat unser Slogan eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern.

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