Roland Hardmeier im Interview

Erstellt am 19. Mai 2015 von

Missionale Theologie – Evangelikale auf dem Weg zur Weltverantwortung, so lautet der Titel des neuen Buches von Dr. Roland Hardmeier. Es ist das dritte Buch in einer Reihe zum Thema „Missional“, die Hardmeier hiermit abschließt. (Siehe auch unser Blogeintrag vom 19. März 2015.)

Der erste Band Kirche ist Mission – auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Missionsverständnis (2009; derzeit nur direkt bei IGW sowie als E-Book erhältlich) wurde mit dem Großen George-W.-Peters-Preis für missiologische Arbeiten ausgezeichnet. Diesem folgte 2012 der zweite Band Geliebte Welt – Auf dem Weg zu einem neuen missionarischen Paradigma. Mit dem dritten Band liegt erstmals eine umfassende Darstellung der Missionalen Theologie – aus evangelikaler Sicht – vor.

 

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Wir haben dem Autor ein paar Fragen gestellt:

 
Herzlichen Glückwunsch, Herr Hardmeier, zum Erscheinen Ihres aktuellen Buches Missionale Theologie – Evangelikale auf dem Weg zur Weltverantwortung! Was würden Sie sagen: An welcher Stelle auf besagtem Weg befindet sich die evangelikale Bewegung derzeit?

Die Evangelikalen haben einen weiten Weg zurückgelegt von dezidierter Weltverneinung zu aktiver Weltgestaltung. Das halte ich für bemerkenswert. Beim Schreiben des Buches war es mir eine Freude, diesen Weg geschichtlich und theologisch nachzuzeichnen.

 

Und was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „missional“? Ist das schlicht ein moderner Begriff für das, was wir früher „missionarisch“ nannten?

Zum Teil decken sich die Begriffe. Der Begriff „missional“ steht zusätzlich zum bekannten „missionarisch“ für eine ganzheitliche Denkweise. Früher war die Mission der Kirche vor allem die Verkündigung. In der missionalen Theologie wird sie weitergedacht, sie umfasst Wort und Tat, oder anders gesagt: Verkündigung und das Wahrnehmen sozialer Verantwortung.

 

In den vorliegenden nun drei Bänden, in denen Sie sich mit dem ganzen Thema Mission und Missionale Theologie beschäftigen, geht es um ein „ganzheitliches Missionsverständnis“, um einen Paradigmenwechsel. Warum herrscht denn aus Ihrer Sicht überhaupt Veränderungsbedarf?

Weil sich die Welt verändert hat. Bei uns im Westen ist die Kirche nicht mehr im Zentrum der Gesellschaft, sondern nur noch ein „Anbieter“ unter anderen. Die Postmoderne mit ihrer radikalen Pluralität stellt uns vor die Herausforderung, das Evangelium so zu kommunizieren, dass es verstanden wird. Wir sind uns mehr denn je bewusst, dass wir in einer leidenden Welt leben.
Das sind einige der Gründe, warum wir Mission neu denken und althergebrachte Denk- und Verhaltungsmuster hinterfragen müssen. Schon der Apostel Paulus musste, als er das Evangelium mit seinen jüdischen Wurzeln in die Welt der Griechen und Römer trug, neue Wege gehen, damit es von den Zuhörern verstanden werden und im neuen Umfeld heimisch werden konnte.

 

Richten sich Ihre Bücher vor allem an (werdende) Theologen, oder können auch Leserinnen und Leser, die sich ehrenamtlich z. B. im Kirchenvorstand oder in der Gemeindeleitung engagieren, praktischen Nutzen daraus ziehen?

Mein erstes Zielpublikum sind Theologen, Pastoren und Missionare. Aber jede an der Aufgabe der Kirche interessierte Person kann Nutzen daraus ziehen. Die Sprache ist einfach gehalten und theologische Fachbegriffe werden erklärt, so dass der Inhalt sich einem auch ohne theologische Vorbildung gut erschließt.

 

Können Sie noch mal kurz den Unterschied zwischen den drei Büchern deutlich machen?

Kirche ist Mission befasst sich vor allem mit der Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im missionarischen Denken.

Geliebte Welt vertieft die theologische Grundlegung des neuen, missionalen Paradigmas. Beide Bücher zusammen liefern eine solide biblische Begründung für ein ganzheitliches Missionsverständnis.

Missionale Theologie schließlich zeichnet die Entstehung dieser neuen Denkweise geschichtlich nach, so dass manches, was in den ersten beiden Büchern theologisch begründet wird, ein Gesicht bekommt und dadurch fassbarer wird.

 

Wenn jemand nur die Zeit für ein Buch aufbringen kann – welches der drei sollte er dann lesen?

Da würde ich Kirche ist Mission empfehlen: Es ist der ideale Einstiegstext. Und wem es gefallen hat, der findet dann vielleicht auch die Zeit, sich an die Folgebände zu wagen.


Kommentare sind geschlossen.

  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel ist voll von Geschichten und Bildern darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er eine Menge Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

    Für uns hat unser Slogan eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern.

  • Dennoch ist unsere Welt weit davon entfernt, Menschen mit Behinderung grundsätzlich willkommen zu heißen – vielen wird nicht mal gestattet, überhaupt zur Welt zu kommen. Und von gelebter Inklusion, dem echten Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap in allen Bereichen unseres Alltags, sind wir auch noch ein gutes Stück entfernt. Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.