Vor dem ersten Kaffee

Erstellt am 13. November 2013 von

Wenn es in einer auflagenstarken Zeitschrift eine Rubrik gäbe: „Die großen ungelösten Lebensfragen“ – ich würde mich hinreißen lassen, die mich seit Jahren quälende Frage zu stellen: „Wie kann man eigentlich morgens vor dem ersten Kaffee schon wach genug sein, um überhaupt die Kaffeemaschine zu bedienen?“

Für alle, die gerade nicht schmunzeln: Es sollte ein Scherz sein, zumindest ein Versuch … Ein Scherz, und ein bisschen Wahrheit, wie oft bei Scherzen, sollte darin mitschwingen. Manchmal steckt ja in den banalsten Situationen und blödesten Sprüchen noch ein Körnchen Erkenntnis.
Wenn ich erst durch den Kaffee wach werde, wie kann ich dann wach genug sein, um Kaffee zu kochen? Wie gesagt, das ist banal. Heben wir es mal auf zwei „höhere“ Ebenen.

Theologisch: Wie kann ich die „Gottlosigkeit“ einer Gesellschaft beklagen, wenn ich doch theologisch davon überzeugt bin, dass niemand zum Glauben kommen kann, ohne dass Gott selbst sich ihm offenbart?
Ethisch: Wie kann man vom Leben oder von Situationen oder von Menschen etwas erwarten, wenn wir von Voraussetzungen leben, die wir nicht selbst schaffen können? Es gibt dafür einen Fachbegriff, das sogenannte „Böckenförde-Diktum“. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Richter am Bundesverfassungsgericht, hat festgehalten, dass wir alle – auch die Justiz – von solchen Voraussetzungen leben, die wir nicht schaffen oder garantieren können.

Das Leben verdanke ich meinen Eltern. Die freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie verdanke ich unseren Vorfahren. Den Glauben verdanke ich Gott. Und nun, auf diesem Fundament, ist es an mir, für mein Leben Verantwortung zu übernehmen – und für andere wiederum gute Startbedingen zu schaffen. Moral, Rechtsbewusstsein und Religion setzen voraus, dass Menschen verantwortliche Wesen sind. Verantwortung setzt voraus, dass Menschen zuerst angesprochen werden vom Leben oder von Gott und dann darauf eine Antwort geben müssen, also ver-antwortlich sind.
Bildlich gesprochen: Den ersten Kaffee haben mir längst andere gekocht.

Uwe Heimowski


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