Zwillinge

Erstellt am 12. März 2013 von

Die Kinder spielen Familie. Melissa ist die Mama, Florian der Papa. Talitha und Savina sind Zwillinge. Livia ist die kleine Schwester. Sie möchte aber auch ein Zwilling sein.

„Nein“, protestieren die Großen, „wir haben es zuerst gesagt.“

Livia ist traurig, aber dann hat sie die rettende Idee. Sie ruft begeistert: „Wir können doch zu dritt Zwillinge sein!“

So süß. So geschickt. Natürlich weiß sie noch nicht, dass es neben Zwillingen auch Drillinge gibt. Aber der eigentliche Gedanke gefällt mir:

Sie bricht die Exklusivität auf. Ich will mit dabei sein. Warum sollte eure Definition das verhindern? Warum sollten nur zwei dazugehören? Ich will auch.

Und so ganz nebenbei entlarvt sie noch ihre Schwestern. Hinter dem netten Zwillingsspiel steckt doch noch etwas anderes: wir sind unter uns. Du gehörst nicht dazu. Wir schließen dich aus.

Sie haben es nicht zu ausdrücklich formuliert, aber ich kenne doch meine Pappenheimer. Und so ungewöhnlich wäre dieses Zickengehabe nicht. Da sind meine Mädels wie alle anderen auch. Wie alle anderen Mädels? Nein, wie alle anderen Menschen.

Wir neigen dazu, exklusive Zirkel zu bilden. Ganz schnell entwickeln Gruppen ihre eigenen Muster, ihre Sprache, Statussymbole und Kleidung. Eigene Werte, eigene Verwerfungen. Wir wissen, wer dazu gehört und wer nicht. Wir wissen, wen wir dazu nehmen wollen und wen nicht. Da unterscheidet sich der Fanclub eines Fußballvereins kaum von politischen Parteien oder einer kirchlichen Gruppe. Wir igeln uns ein und zeigen Stacheln. Bewusst oder unbewusst. Und häufig mit guten Gründen: denn Zwillinge sind ja nun mal nur zwei.

Gottes Idee ist das nicht. Es gibt keinen getrennten Himmel für Alte und Junge, für Schwarze und Weiße, für Männer und Frauen, für Reiche und Arme, für Kluge und Dumme. Einzelkinder, Zwillinge oder Drillinge – alle Kinder Gottes sitzen an einem Tisch mit ihrem Vater. Grund genug, das jetzt schon zu üben.

Uwe Heimowski


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    Bei Gott bin ich willkommen.

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