Archiv vom Februar, 2018

 

Erstellt am 20. Februar 2018 von

Warum wird ein über zweitausend Jahre altes griechisches Drama in heutigen Gymnasien gelesen und auf deutschen Bühnen vermehrt aufgeführt? Was macht die Dichtung eines Sophokles zu Macht und Machtmissbrauch so brandaktuell?

Damit hat sich Wolfgang Kubik in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder beschäftigt. In diesen Tagen nun erscheint sein Buch Antigone – Hingabe und Machtmissbrauch in der Tragödie des Sophokles:

 

Sophokles lebte und dichtete in einer Zeit des Niedergangs der Athenischen Demokratie. Die hergebrachte Religion hat ihre prägende Kraft verloren. Das Wettrüsten zwischen der Seemacht Athen und der Landmacht Sparta steuert zu auf einen kritischen „Point of no return“.

Geradezu prophetisch hat Sophokles die verhängnisvollen Folgen eines Kampfes um Macht um jeden Preis zur Darstellung gebracht.

Es ist eine junge Frau, deren Widerstand und Hingabe bis zum Äußersten geht. Was ihr heilig ist, ist es auch heute!

 

 

 

Wolfgang Kubik ist promovierter Theologe, war Dozent am Missionsseminar Hermannsburg und Landeskirchenrat in Bückeburg.

Sein Weggefährte Reinhard Deichgräber schreibt zu dieser Neuerscheinung:

 

„Normalerweise sind es zwei je ganz eigene Welten: Wer als Theologe für das Christentum spricht, weiß meistens über die griechische Antike und ihre Literatur wenig zu sagen. Und umgekehrt: Wer als Altphilologe die griechische Antike erforscht, lässt das Christentum sozusagen links liegen.

Und was verbindet die beiden unterschiedlichen Geisteshaltungen miteinander? Beide weisen vielfältige Bezüge zu den Problemen der europäisch-amerikanischen Gegenwartskultur auf: Verfall der überlieferten Religion; Verfall der die Gemeinschaft bestimmenden Verbindlichkeiten; vielfältige Arten von Machtmissbrauch; Relativierung überkommener Wertvorstellungen; Konflikte, die da entstehen, wo das Heilige, wo der Heilige sich plötzlich einem Menschen sehr persönlich offenbart und ihn fordert. Wo Letzteres geschieht, sieht sich ein Mensch zu einem Verhalten gezwungen, das die Selbstverständlichkeiten einer Kultur auf den Kopf stellt.

Am Beispiel Antigones zeigt Wolfgang Kubik, wie unterschiedliche Betroffene einen solchen Konflikt erleben: Wenn jemand Heiliges heilig halten muss; wenn ein König nur im Sinn hat, was dem Erhalt seiner Macht dient; wenn überall Maßlosigkeit einkehrt; wenn Menschen für alles Verständnis aufbringen, sich aber für nichts und niemanden entscheiden können – um solche und ähnliche Fragen geht es in der Tragödie Antigone.

Dem Buch liegen vielfältige persönliche Erfahrungen des Autors zugrunde: Schulzeit im humanistischen Gymnasium; Studium der Theologie; verschiedene Tätigkeiten als theologischer Lehrer; als Landeskirchenrat; Ferienseminare, in denen er den Stoff der Antigone mit Studierenden verschiedener Fachrichtungen erarbeitete; Gründung und Leitung einer christlichen Wohn- und Lebensgemeinschaft.“

 

Hier (und in jeder Buchhandlung) kann man das Buch – das sich übrigens hervorragend für den Unterricht sowie die kirchliche Erwachsenenbildung eignet – bestellen!

Erstellt am 5. Februar 2018 von

Das biblische Buch Rut (oder Ruth) steht im Fokus des Buches Heimat finden – Impulse aus dem Buch Rut von Ulrich Müller, das kürzlich erschienen ist. Dieser faszinierende Abschnitt des Alten Testaments, so Müller, erzählt konkret und anschaulich vom Suchen und Finden der Heimat. Doch:

Es kann wie nur wenige andere biblische Texte unter ganz verschiedenen Blickrichtungen gelesen werden, da es Anregungen und Impulse zu völlig unterschiedlichen Fragestellungen enthält (etwa zum Verhältnis von Frau und Mann, Armen und Reichen, Alten und Jungen, Einheimischen und Fremden – aber auch zum Verhältnis von Gottes Handeln und menschlicher Eigenverantwortung).

 

Das weckt mein Interesse, noch mal genauer hinzuschauen bzw. mich neu mit diesem Buch der Bibel zu beschäftigen.

 

 

Und dazu lädt auch der Bibelpodcast bibletunes ein, nämlich im Aktionszeitraum ab Montag, 12. Februar 2018.

bibletunes-Gründer Detlef Kühlein (im Bild unten) liest und erklärt dann selbst die bewegende Geschichte jener Frau, die ihre Heimat zunächst verlässt …

 

 

 

bibletunes ist ein deutschsprachiger, kostenloser Bibelpodcast zu verschiedenen Büchern und Themen der Bibel. Die bibletunes dauern 5-10 Minuten und werden täglich von über 15.000 Menschen in 84 Ländern gehört.

 

Hier geht’s direkt zu den Ruth-bibletunes …

Erstellt am 2. Februar 2018 von

Manche Gedichte haben es in sich – und lassen einen nicht nur sprachlos, sondern auch tief bewegt zurück. So ähnlich ging es mir mit dem Gedicht „Abschied“ des Österreichers Franz-Joseph Huainigg.

Seit einer Impfung im 7. Lebensmonat sind die Beine von Dr. Franz-Joseph Huainigg (Jahrgang 1966) gelähmt. Heute ist er auf einen Elektrorollstuhl und ein Beatmungsgerät angewiesen. In den 1990er Jahren gründete er das Wiener KrüppelKabarett. Bis 2017 engagierte er sich im österreichischen Nationalrat. Er hat uns erlaubt, sein Gedicht hier wiederzugeben:

 

Als Kind waren meine Beine plötzlich gelähmt. Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Ich nehme Dir die Kraft der Beine und schenke Dir die Langsamkeit. So entdeckte ich eine neue Welt, langsam auf dem Boden kriechend.

Als Jugendlicher konnte ich plötzlich nicht mehr mit Krücken gehen. Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Ich nehme Dir die Kraft in den Armen und schenke Dir dafür Witz und Ironie. So entdeckte ich im Rollstuhl eine neue Welt und brachte auf der Kabarettbühne die Leute zum Lachen.

Jahre später konnte ich weder Arme noch Beine bewegen. Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Desto weniger Du Dich bewegst, desto mehr bewegst Du. So begann ich die Welt ein wenig zu verändern und wurde Politiker.

Heute kann ich nicht mehr ohne Maschine atmen. Ich weinte und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Ich nehme Dir die Lungenkraft und schenke Dir einen langen Atem. Um für die Würde des Lebens zu kämpfen.

 

Dieses Gedicht erschien u. a. in der Zeitschrift „Behinderte Menschen“ (6/2017). Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

franzhuainigg.at

 

 

  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel birgt zahlreiche Geschichten und Bilder darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er nur Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

  • Unser Slogan hat noch eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern. Dass sie uns etwas zu sagen und zu geben haben.

    Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.