Erschütterung über Jean Vanier

Erstellt am 24. Februar 2020 von


Das Ergebnis einer von der Internationalen Arche in Auftrag gegebenen Untersuchung belastet den Arche-Gründer Jean Vanier schwer

Nachtrag: Der französische Fernsehsender KTO hat ein Interview mit Stephan Posner, dem Leiter der Internationalen Arche, ausgestrahlt (auf YouTube ist es mit englischen Untertiteln versehen).

In diesem Gespräch wird der Schmerz über den Missbrauch durch Jean Vanier deutlich, aber auch die klare Haltung der Verantwortlichen und ihr – wie ich finde – weiser Umgang mit dieser sehr herausfordernden Situation:

Am vergangenen Samstag, 22. Februar 2020, hat die Internationale Arche die Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung bekannt gegeben.

Jean Vanier (1928 bis 2019) war Mitgründer der Arche-Gemeinschaften, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben. Der promovierte Philosoph und katholische Christ war einer der großen spirituellen Schriftsteller unserer Zeit.


Jean Vanier
(Foto: l’Arche, März 2011)

Wir zitieren hier aus der Website der Arche Deutschland:

Nachdem der geistliche und sexuelle Missbrauch durch P. Thomas Philippe, den geistlichen Mentor von Jean Vanier, in den vergangenen Jahren aufgedeckt worden ist, hat die Internationale Arche im vergangenen Juni eine gründliche und unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben. Diese Untersuchung sollte das Umfeld von P. Thomas Philippe und die Rolle von Jean Vanier darin beleuchten und zu mehr Klarheit über die Gründungsgeschichte der Arche beitragen. Das Ziel war es, mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen unsere Richtlinien und Verfahren zur Prävention von Missbrauch noch besser anzupassen.

Nun liegt das Ergebnis der Untersuchung vor, das uns schwer erschüttert hat. Wir sind schockiert zu erfahren, dass nicht nur P. Thomas Philippe, sondern auch Jean Vanier in geistlichen und sexuellen Missbrauch verstrickt war. Das Ergebnis der Untersuchung macht uns in hohem Maße betroffen. Die Auswertung der Quellen, zu denen die Internationale Arche Zugang bekam, und der Zeugenaussagen, die dem Untersuchungsteam zur Kenntnis gebracht wurden, ergaben, dass der Arche-Gründer Jean Vanier offenbar nicht nur früh von den Missbrauchstaten seines geistlichen Mentors P. Thomas Philippe gegenüber erwachsenen Frauen wusste, sondern auch selbst im Rahmen geistlicher Begleitung gegenüber erwachsenen Frauen sexuelle Übergriffe begangen hat, was einige dieser Frauen tief verletzt hat. Bei den betroffenen Frauen handelt es nicht um Personen mit Behinderung.

Wir verurteilen die Taten Jean Vaniers zutiefst. Sie sind mit den Grundsätzen und Werten der Arche, wie wir sie leben, vollständig unvereinbar. Die Detailergebnisse der Untersuchung sind hier nachzulesen (Website der Internationalen Arche in Englisch bzw. Französisch). Eine deutsche Übersetzung des Briefes der Internationalen Leiter Stephan Posner und Stacy Cates-Carney mit einer Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse ist hier zu finden.

Wir wünschen uns und laden ein, dass alle, die der Arche verbunden sind, uns dabei unterstützen, die richtigen Folgerungen aus diesen schockierenden Erkenntnissen zu ziehen.

Auch der Neufeld Verlag ist erschrocken über diese Erkenntnisse. Vaniers Verstrickung in geistlichen und sexuellen Machtmissbrauch sowie seine sexuellen Übergriffe müssen eindeutig als schwere Verfehlungen betrachtet werden. Die betroffenen Frauen haben als Opfer darunter gelitten und zu leiden.

Wir sind um so mehr betroffen, als der Herzschlag von Jean Vanier eine echte Inspiration für uns ist: Der Freund und radikale Fürsprecher von Menschen mit geistiger Behinderung lädt uns ein, ihre Gaben ernst zu nehmen und von ihnen zu lernen.

Im Laufe der Jahre hat Vaniers Lebensmission ihren Niederschlag sehr sichtbar im Neufeld Verlag (und im persönlichen Leben des Verlegers David Neufeld) gefunden; wir teilen die tiefe Überzeugung, dass Menschen mit Behinderung uns etwas zu sagen und zu geben haben.

Wohl wissend, dass kein Mensch perfekt ist und Christen begnadigte Sünder sind, trifft es uns doch tief, dass ein Mensch wie Jean Vanier – mit einer solch umfassend liebevollen Ausstrahlung und einem tiefen Verständnis des Reiches Gottes – sich in dieses Verhalten verstrickte und offenbar nicht bereit war, diese Schattenseiten seines Lebens unter das Licht Gottes zu bringen.

Diese Nachricht ist für uns auch eine Mahnung zu einem verantwortlichen Umgang mit Macht und Einfluss, mit uns anvertrauten Menschen, mit Sexualität.

Im Neufeld Verlag erschienen die Biografie Jean Vaniers:

sowie weitere Bücher aus der Feder von Jean Vanier:


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  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel birgt zahlreiche Geschichten und Bilder darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er nur Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

  • Unser Slogan hat noch eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern. Dass sie uns etwas zu sagen und zu geben haben.

    Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.