Randis Reise (Folge 2)

Erstellt am 14. November 2014 von

Hier geht es zu Folge 1!

 

Der britische Autor Simon Parke hat John Bunyans Klassiker Die Pilgerreise mit Randis Reise ein modernes Gesicht verliehen. Hier im Blog bringen wir einige Auszüge zum Kennenlernen.

 

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Weiter geht es mit dem Kapitel Die dritte Station (ab Seite 32):

 

Wo bin ich?«, fragte sich PILGERIN, das Gesicht an einen Felsen gepresst, auf dem ein Käfer fröhlich in der Sonne saß. Wo immer sie sich befand, sie fühlte sich gut. Sie hatte tiefer geschlafen als zu Hause, wo ihr Schlaf nicht immer ruhig war.

Langsam kamen ihr die jüngsten Ereignisse wieder in Erinnerung. Da waren die Tiger gewesen, das Drama auf der Klippe und eine seltsame Begegnung mit einer Ratte namens Veronica. Ach ja, und davor war sie ziemlich unhöflich zu GERNRAT SENFGEB und TUSSI FLITTER gewesen. Und davor hatte sie alles, was ihr vertraut war, zurückgelassen und sich auf eine hirnverbrannte Reise zum Himmel begeben. Was war nur in sie gefahren?

Erst kürzlich, so erinnerte sie sich, hatte sie zu der Ratte gesagt, sie sei müde und brauche Schlaf, und die Ratte hatte erwidert, das sei eine gute Idee. Aber jetzt war sie hellwach und nahm seltsame Geräusche in ihrer Umgebung wahr. Da war ein Summen, Klingeln und Rasseln von Karussellmusik, Löwen brüllten, Seehunde husteten, Pferde schnaubten, Hunde bellten, und Menschen lachten fröhlich. Das konnte nur eines bedeuten: Ein Zirkus war in der Nähe.

»Höchste Zeit für ein wenig Ablenkung, finde ich!«, sagte PILGERIN, während sie sich dem fröhlichen Treiben näherte.

»Nur hereinspaziert, meine Damen und Herren!«, rief ein Mann mit einem zwirbeligen Schnurrbart und verschmitzten Augen mit lauter Stimme. Er trug einen Zylinder aus glänzendem Stoff, einen Gehrock und eine ordentlich gebügelte Kaschmirhose. »KANNABIS’ Halluzinatorischer Psycho-Zirkus bietet Unterhaltung und Zerstreuung am laufenden Band und ohne Ende!«

Als er PILGERIN entdeckte, eilte er auf sie zu.

»Du, junge Dame!«

»Ja?«

»Wünschst du dir nicht eine Pause von der Realität?«

»Ich weiß nicht«, erwiderte sie. »Ich bin auf dem Weg zum Himmel.«

»Das ist doch dasselbe! Deine Reise ist vorbei. Dies ist der Himmel!«

»Wirklich? Ich hatte mich auf eine etwas längere Suche eingestellt.«

»KANNABIS’ Halluzinatorischer Psycho-Zirkus ist der Himmel auf Erden!«

Sein Gesicht kam ihr unangenehm nahe, und PILGERIN roch seinen Zwiebelatem, aber hey, die Menschen waren eben unterschiedlich, und den Zirkus hatte sie immer geliebt. Doch ob dies tatsächlich der Himmel war, da hatte sie so ihre Zweifel. Natürlich hatte sie keine Ahnung, wie der Himmel aussah – ich meine, wer konnte das schon wissen? Doch wenn der Himmel am Ende ein Zirkus war, welchen Zweck erfüllte er dann? Sie beschloss, das Thema anzusprechen.

»Zirkusse machen viel Spaß«, sagte sie, »aber sie schienen mir nie besonders, nun ja, nützlich.«

»Nützlich?«, schnaubte er. »Du redest wie ein Bischof in einer Talkshow, ernst und langweilig!«

Dieser Vorwurf traf ins Schwarze, und PILGERIN errötete vor Scham.

 


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