Schlagwort-Archiv: Edition Bienenberg

 

Erstellt am 13. März 2013 von

Die beiden theologischen Ausbildungsstätten Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW) und Theologisches Seminar Bienenberg (TSB) haben kürzlich eine Ausbildungspartnerschaft auf Bachelor-Level vereinbart, die ab dem kommenden Studienjahr in Kraft tritt. Das Herzstück der Vereinbarung bildet das TSB-Kernstudium „Kirche, Kultur & Kontext“, das eine Vertiefung in friedenskirchlich-täuferischer Theologie ermöglicht.

Dieser neu entwickelte Jahreskurs wird ab September 2013 in der Schweiz und in Deutschland angeboten. Er eignet sich für interessierte Laien zur Weiterbildung ebenso wie für ein teil- oder vollzeitliches Studium. Die Zusammenarbeit mit IGW ermöglicht Studierenden, die Studienleistungen des TSB-Kernstudiums „Kirche, Kultur & Kontext“ anrechnen zu lassen und in ein BA-Studium bei IGW zu integrieren.

Zum kommenden Studienjahr 2013/14 kommt es am Theologischen Seminar Bienenberg auch zu einer einschneidenden Veränderung im Programmangebot. Aufgrund der geringen Studierendenzahl wird das etablierte dreijährige Grundstudium eingestellt und dafür das einjährige Studienprogramm mit dem Schwerpunkt „Kirche, Kultur & Kontext“ neu lanciert.

Der neue Studiengang ist als Kernstudium in täuferisch-friedenskirchlicher Theologie konzipiert. In dieser inhaltlichen Profilierung eignet sich das Programm in besonderer Weise für Menschen, die im Rahmen einer theologischen Grundausbildung einen Studienschwerpunkt setzen wollen oder die neben ihrer beruflichen Tätigkeit eine Weiterbildung in täuferisch-friedenskirchlicher Theologie suchen. Angesprochen sind damit besonders auch Menschen, die sich voll- oder teilzeitlich oder auch ehrenamtlich in Gemeinde und Mission engagieren.

Parallel zu dem Angebot auf dem Bienenberg für die Schweiz und den süddeutschen Raum wird das Programm ab Herbst auch im Raum Bielefeld angeboten. Die Theoriemodule werden dort in den Räumen von Gemeinden angeboten, Studierende werden wöchentlich in einem Lernzentrum betreut.

Warum wir das an dieser Stelle berichten (schließlich gibt es im deutschsprachigen Raum doch jede Menge Fakultäten an den klassischen Hochschulen sowie Seminare in freier Trägerschaft, die theologisch ausbilden)? Im Neufeld Verlag erscheinen seit Jahren die Buchreihen Edition Bienenberg sowie Edition IGW, wir haben darüber hinaus immer wieder Bücher von Bienenberg-Dozenten (Bernhard Ott, Tim Geddert, David Shenk, Alfred Neufeld …) sowie IGW- „Beteiligten“ (Uwe Heimowski, Heinrich Christian Rust …) verlegt; meine ganz persönlichen geistlichen und gemeindlichen Wurzeln sind wiederum eng mit dem Bienenberg verknüpft.

Dass nun ausgerechnet Bienenberg und IGW eine solche Partnerschaft beginnen, freut uns also ganz besonders. Wir glauben, das wird eine fruchtbare Sache  …!

Erstellt am 28. September 2012 von

Schon der Titel dieses Buches provoziert. Und das seit 40 Jahren: Wirklich, 1972 erschien dieses Buch zum ersten Mal in den USA. Schnell wurde klar: Den Namen des Autors sollte man sich merken – John Howard Yoder, ein Theologe zwischen den Welten – später bezeichnet als Mennonit, Evangelikaler und Katholik. Stimmt, der 1927 in den USA geborene Yoder war offenbar in mehreren Welten zuhause.

Im Nachkriegs-Europa engagierte er sich als freiwilliger Helfer beim Aufbau eines Kinderheims im Elsass; auch seine Frau kommt aus dem Elsass. Er studierte bei Karl Barth in Basel, arbeitete im ökumenischen Ausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentages mit. Dann wurde er Dozent an einem freikirchlichen Theologischen Seminar, später zusätzlich an der katholischen Universität Notre Dame (wo es heute jährliche „John Howard Yoder Dialogues on Nonviolence, Religion & Peace“ gibt), in Buenos Aires und Straßburg.

Der methodistische Theologe Stanley Hauerwas bezeichnet Yoder als den „wohl führenden amerikanischen Theologen und Ethiker der letzten fünfzig Jahre“; die Zeitschrift Christianity Today zählt ihn zu den einflussreichsten zeitgenössischen Theologen. Die hier vorliegende Studie Die Politik Jesu ist sein bekanntestes Werk – und wurde von Christianity Today auf Platz 5 der 100 wichtigsten theologischen Bücher des 20. Jahrhunderts gesetzt.

1981 erschien Die Politik Jesu erstmals auf deutsch (im Agape Verlag), mit einem Vorwort von Jürgen Moltmann.

„Alle Lager, ob konservativ oder progressiv, ob hochkirchlich oder kongregationalistisch, ob eher ökumenisch-weltoffen oder evangelikal-innergemeindlich, sahen sich anhand dieses Buches erneut der Provokation ausgesetzt, die sich in der Begegnung mit dem Leben Jesu selbst stellt.“

So Fernando Enns, der ein Vorwort zur aktuellen Neuausgabe beisteuerte.

Yoder starb 1997. Erst 1994, 22 Jahre nach der Erstausgabe, war „The Politics of Jesus“ in einer neuen Ausgabe erschienen – mit Kommentaren zu jedem Kapitel. Nun liegt diese Auflage mit den umfangreichen Ergänzungen des Autors erstmals auf deutsch vor, übersetzt von Wolfgang Krauß.

Doch worum geht es in diesem Buch? Jesus und Politik? „Yoders theologische Überlegungen haben das Ziel, das vorherrschende theologische Korsett zu sprengen und neu zu fragen, was Jesus für uns heute bedeutet“, schreibt Tobias Faix in seinem Vorwort zur Neuausgabe. Und weiter:

„Yoder ermutigt, sich den Macht- und Strukturproblemen unserer Zeit aktiv zu stellen und das Evangelium nicht auf eine individualistisch verengte Auslegung zu reduzieren. Seine These, dass Jesus als Urheber eines radikalen sozialen Wandels betrachtet werden müsse und tatsächlich zu Lebzeiten ein Jubeljahr ausgerufen hat (Lk 4,16–30), beeinflusste viele Theologen weltweit. … Diese Gedanken haben eine ganze Generation von Christen weltweit beeinflusst, wie beispielsweise Ronald J. Sider, David Bosch, Samuel Escobar, Brian McLaren, Jim Wallis oder Shane Claiborne. Gerade Letzterer hat Yoders Gedanken aufgenommen und in seiner Lebensgemeinschaft in einem Armenviertel von Philadelphia (The Simple Way) praktisch umgesetzt und in seinen Bestsellern Ich muss verrückt sein, so zu leben: Kompromisslose Experimente in Sachen Nächstenliebe und Jesus for President reflektiert, verarbeitet und weiterentwickelt und ist so ein Vorbild für viele geworden.“

Aber wie kommen wir als Verlag dazu, ein Buch herauszugeben, dessen erste Auflage in den USA 1972 erschienen ist? Weil es nicht nur für Theologen in großer konfessioneller Bandbreite von enormer Bedeutung ist, sondern weil es hilfreiche Impulse gibt, die auch ganz praktisch fruchtbar werden können (vgl., was der britische Wagniskapitalgeber Dr. Kim Tan in seinem Buch Das Erlassjahr-Evangelium – Ein Unternehmer entdeckt Gottes Gerechtigkeit beschreibt). Noch einmal Tobias Faix:

„Yoders Kombination aus Klarheit und Radikalität macht Die Politik Jesu zu einem der wichtigsten Bücher der letzten Jahrzehnte. Die Neuauflage kommt deshalb gerade richtig, mitten in eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und des diakonischen Aufbruchs. Viele Kirchen und Gemeinden entdecken ihren gesellschaftlichen Auftrag wieder neu und versuchen, die Liebe Christi in ihre Nachbarschaft zu tragen. Dabei stoßen sie auf sozialethische Fragen, wie wir Christen mit Konsum, Umweltzerstörung oder Konflikten umzugehen haben. Yoder zeigt, dass die Bibel diese Fragen auf und ernst nimmt und sie in eine ganzheitliche Nachfolge Christi führen.“

Ganz abgesehen davon finden wir es spannend, dass ein zentraler Teil von Yoders Arbeit auf eine Studie von André Trocmé zurückgeht – dessen Biografie aus der Feder von Hanna Schott wir letztes Jahr herausgeben konnten.

Vor wenigen Tagen ist dieses Buch in der Edition Bienenberg erschienen. Also: jetzt zugreifen, einsteigen und sich herausfordern lassen. Dabei lohnt sich auch gleich ein Blick auf ein weiteres Buch aus der Feder von John Howard Yoder: Die Politik des Leibes Christi – Als Gemeinde zeichenhaft leben.

  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel birgt zahlreiche Geschichten und Bilder darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er nur Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

  • Unser Slogan hat noch eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern. Dass sie uns etwas zu sagen und zu geben haben.

    Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.