Schlagwort-Archiv: Uwe Heimowski

 

Erstellt am 8. Januar 2013 von

Fünf Kinder, zwei Jobs, einige Ehrenämter: Das fordert seine Zeit. Der Wecker klingelt früh, den Gute-Nacht-Kuss gibt’s spät. Vorher und nachher ist nicht viel Zeit, und zwischendrin schon gar nicht. Wir beten vor dem Essen, lesen einen Vers. Aber das sind nur „schnelle Happen“.

Zum Glück „muss“ ich von Berufs wegen predigen – und ohne Bibel und Gebet geht das nicht. Diese Vorbereitung tut mir selber mindestens so gut wie meiner Gemeinde.

Meine größte geistliche Quelle zapfe ich so alle zwei Wochen an: Ich gehe in die Sauna. Drei bis vier Stunden. Ich schwitze, schwimme, ruhe aus – und merke, wie mit dem Körper auch die Seele runterfährt. Ich komme zur Ruhe und werde offen für Gottes Reden. Meistens nehme ich ein Buch mit, manchmal die Bibel.

Oft bin ich aber auch einfach nur still – bete leise für alle meine Anliegen und merke nach einer Weile, dass mir die Worte ausgehen. Es ist alles gesagt. Plötzlich fallen mir Lieder ein, Bibelverse, Bilder von meiner Frau und meinen Kinder. Große Dankbarkeit erfüllt mich. Ich bete wieder. Ein Lobpreis beginnt. Werde wieder still. Es ist ein inniger Dialog mit Gott, der viel Kraft schenkt für den Alltag.

Uwe Heimowski

Erstellt am 11. Dezember 2012 von

Die Antwort liegt auf der Hand: Ein Apfel. Richtig, aber eben nicht ganz richtig. Der Apfel trägt die Samen des Baumes – und aus diesen entsteht dann die eigentliche Frucht: ein neuer Apfelbaum.

Das lässt sich übertragen: Ein Leben, das Früchte trägt, ist mehr als ein Leben mit „schönen roten Äpfeln“. Nicht, wie ich selber aussehe, wie ich da stehe, was ich erreiche, ist die eigentliche Frucht meines Lebens. Fruchtbar ist ein Leben, das bei sich selber nicht stehen bleibt. Es ist ein Leben, das ausstrahlt auf andere Menschen. Fruchtbar ist ein Leben, das man zum Vorbild nehmen kann; ein Leben, das Auswirkungen hat und andere Menschen bewegt. Die Frucht bin ich nie selber. Die Frucht meines Lebens zeigt sich an den Mitmenschen.

Und doch: ohne Apfel kein neuer Apfelbaum. Ohne einen glaubwürdigen, tiefgründigen Lebensstil wird mein Leben auch keine – positiven – Auswirkungen auf andere Menschen und die Gesellschaft haben. Lebensstil und Frucht bedingen einander. Es sind die Früchte meines Charakters, meiner Persönlichkeit, die auf andere Menschen wirken und sie prägen.

Wie ein solcher Charakter aussehen kann, der dann auf andere Menschen ausstrahlt und Früchte trägt, hat Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Galatien formuliert:

„Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit“ (Gal 5,22f, nach Luther 1984).

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und einzeln noch einmal nachsprechen.

Liebe. Freude. Friede. Geduld. Freundlichkeit. Güte. Treue. Sanftmut. Keuschheit.

Einen solchen Charakter hätte ich gerne. Ich verehre Menschen, die derart tiefe Werte und die dazu gehörende Ausstrahlung besitzen. 

Bitte nicht mit Langweilern, Spießern, Sekundärtugendverfechtern verwechseln – nein, ich meine authentische, wahrhaftige, mit sich und der Welt versöhnte Menschen. Menschen, die treu sind, weil sie ihren Partner lieben, und nicht weil sie zu feige sind zum Seitensprung. Menschen die gütig sind, weil sie Menschen mögen, und nicht weil sie keinen Mumm haben, auch mal nein zu sagen. Menschen mit Rückgrat und Profil.

Es gibt solche Menschen. Und ich werde nicht müde, nach ihnen zu suchen und von ihnen zu lernen. Die eine oder andere bemerkenswerte Lebensgeschichte findet man übrigens im Neufeld Verlag ;-).

Uwe Heimowski

Erstellt am 13. November 2012 von

 

Für meinen Blog-Beitrag in diesem Monat habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht – ein Lied:

Wie wollen wir leben? Wen wollen wir nehmen?

Können Fremde hier Freunde werden?

Wie wollen wir leben? Wen wollen wir nehmen?

Können Fremde Freunde sein?

 

Menschen begegnen, die anders ausehen?

Mit ihnen leben und Spaß verstehen?

Arbeit, Fußball, Arzt und Freizeit, KiTa, Supermarkt.

Neben dir der Mann aus China und die Frau aus dem Irak.

So lebhaft und facettenreich

kann es in Deutschland sein,

wenn die Entscheidung Menschen gilt,

dem Menschen ganz allein.

 

Für wen die rote Karte, der letzte Besuch?

Für wen ist schon der Flieger ins Heimatland gebucht?

Wer bestimmt, wer bleiben darf?

Wen wir brauchen, wer uns nützt,

dazu noch gut studiert und ausgebildet ist?

Gilt nicht noch viel mehr, hat nicht auch Gewicht, dass unser Land ein sicherer Schutzraum für verfolgte Menschen ist?

 

Die deutsche Geschichte

kennt Schatten, kennt Licht.

Sie lehrt uns zu achten.

Das Grundgesetz verspricht:

Die Würde des Menschen,

die Würde jedes Menschen

ist unantastbar, ungeteilt.

Nur wann? Wann wird das Wirklichkeit?

 

Wie wollen wir leben? Wen wollen wir nehmen?

Können Fremde hier Freunde werden?

Wie wollen wir leben? Wen wollen wir nehmen?

Können Fremde Freunde sein?

Dieses Lied habe ich für die CD „Dies ist mein Land. Sieben Länder – sieben Lieder“ geschrieben, die wir kürzlich in Gera in einem Benefizkonzert für den Freundeskreis für Flüchtlinge vorgestellt haben.

Bis bald, Uwe Heimowski

 

Erstellt am 9. Oktober 2012 von

 

Ich freue mich, dass unser Freund und Autor Uwe Heimowski sich künftig monatlich an dieser Stelle zu Wort melden wird. Tatsächlich sind wir schon lange verbunden, lernten uns Anfang der 1990er Jahre kennen, im Redaktionsteam der Jugendzeitschrift PUNKT (heute: dran). Das dritte Buch im Neufeld Verlag (Brunos Dankeschön – Geschichten von der Reeperbahn) stammte 2005 aus seiner Feder (dem eine ganze Reihe weiterer Bücher folgten), und wer beginnt, sich mit den Artikeln und Büchern von Uwe Heimowski zu beschäftigen, merkt schnell: Der kann erzählen! Und er hat was erlebt. Und was zu sagen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat gibt es an dieser Stelle also Heimowskis Mutmacher – Gedanken aus dem kleinen und großen Alltag. Heute geht’s los – und zwar mit einer kurzen Vorstellung. Damit Ihr wisst, wer da eigentlich schreibt. Herzlich willkommen, lieber Uwe!

Schreiben, reden, telefonieren, recherchieren – die Tätigkeiten an sich unterscheiden sich nicht groß. Und doch sind es verschiedene Welten: die Arbeit als Pastor und die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag. Das ist eine ungewöhnliche Kombination, sicher. Aber sie entspringt und entspricht meinem Lebensweg, der auch eher ungewöhnlich ist. Und inhaltlich gibt es viele Parallelen.

Ein kurzer Rückblick: 1986 fand ich zum Glauben. Es folgte eine Therapie wegen einer Suchterkrankung. Dann eine Erzieherausbildung. Sozialarbeit für die Heilsarmee auf der Reeperbahn. Leitung einer AIDS-Beratungsstelle. Studium der evangelischen Theologie in Hamburg, Basel, Leipzig und Halle/Saale. Was sollte nun folgen? Mein Herz schlug für die Sozialarbeit. In einem ehemaligen Jugendwerkhof in Bad Köstritz, der von der Diakonie übernommen worden war, wurde ein Erziehungsleiter gesucht. Aufgabenschwerpunkt: Mitarbeiterschulung, pädagogische Verantwortung und der Aufbau einer Therapiegruppe für minderjährige Suchtkranke. Besonderes letzteres reizte mich aufgrund meiner eigenen Geschichte, und so zogen wir 1999 nach Ostthüringen. Nun suchten wir eine Gemeinde. Für uns, mich, meine Frau und unsere beiden Kinder, und für die Jugendlichen aus der Reha-Gruppe, denn zum Konzept gehörte (und gehört bis heute) der wöchentliche Gottesdienstbesuch. In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Gera wurden wir herzlich aufgenommen und fanden bald eine Heimat.

Dass ich zwei Jahre später die Anfrage bekommen würde, Pastor Franz Beutel nachzufolgen, der in den Ruhestand ging, hätte ich da niemals in Erwägung gezogen. Doch dann kam es so. Wir sahen Gottes Ruf in dieser Anfrage, ich gab meine Stelle als Erziehungsleiter auf, blieb aber in der Leitung der Reha-WG. Und so strickten wir ein Halbtagskonzept mit der Gemeinde. Wir definierten meine Aufgaben sehr klar. Für den Verwaltungsbereich stellten wir eine Sekretärin im Mini-Job ein.

Das setzte mich frei für pastorale Tätigkeiten. Mein Schwerpunkt neben Verkündigung und Seelsorge lag vor allem darin, eine neue Vision für die Gemeinde zu entwickeln. „Offen sein für Menschen in der Stadt“ – das war meine Vorgabe. Und so entstanden im Laufe der Jahre eine Menge neue Konzepte. Die Form der Gottesdienste änderte sich, kulturelle und soziale Projekte wurden begonnen, schließlich wurde ein Anbau nötig.

Ich selber engagierte mich in verschiedenen sozialen und politischen Gremien in der Stadt (etwa im Jugendhilfeausschuss). Daneben unterrichtete ich an der Berufsakademie in Gera und publizierte Artikel und Bücher. Nach fünf Jahren gab ich die Leitung der Reha-Gruppe ab und arbeitete neben der Gemeindearbeit als freiberuflicher Dozent und Coach.

To make a long story short: als dann ein Freund von mir für den Bundestag kandidierte, half ich in seinem Wahlkampfteam. Wir kannten uns und haben sehr ähnliche Ziele, das passte. Wir entwickelten ein Konzept, schrieben Texte – und er gewann tatsächlich die Wahl. Frank Heinrich ist der erste Heilsarmeeoffizier im Bundestag. Seine Schwerpunkte sind naheliegend: Arbeit und Soziales sowie Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Ich stieg als wissenschaftlicher Mitarbeiter ein.

Inhaltlich liegt das sehr nahe bei dem, was ich bisher auch getan habe: mich für benachteiligte Menschen einsetzen. Das war ein Schwerpunkt bei der Heilsarmee, und es prägt das Profil unserer Gemeinde.

Wie sieht das nun im Alltag aus? Die vielen Tätigkeiten müssen natürlich gut koordiniert werden. Die Aufgaben sind gewachsen. Unsere Familie besteht mittlerweile aus sieben Personen. Meine Frau Christine hat einige Jahre ihren Schwerpunkt auf die Erziehung gelegt. Anders wäre vieles nicht möglich gewesen. Mittlerweile absolviert sie ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium in Diakonik. Da hilft, dass meine beiden Berufe sehr viel selbständiges Arbeiten erfordern. Häufig habe ich Zwölf-Stunden Tage. Aber wann und wo ich arbeite, kann ich selber eintakten. Etwa alle fünf Wochen bin ich für eine Woche in Berlin. Gelegentlich gibt es Termine in Chemnitz, Frank Heinrichs Wahlkreis. Die meiste Zeit kann ich von Gera aus arbeiten. Und so habe ich schon manche Predigt im Zug vorbereitet. Und der eine oder andere „Sprechzettel“ (so nennt man im Bundestag eine thematische Zusammenfassung eines Themas) ist im Gemeindebüro entstanden.

Mir liegt diese Abwechslung sehr. Doch bleibt es eine tägliche Herausforderung, mich dabei nicht zu verzetteln. Zum Glück hat sich das Berliner Team in diesen zwei Jahren sehr gut eingespielt, und unsere Gemeindesekretärin ist die Zuverlässigkeit in Person. Ohne Teamplay wären die beiden Stellen nicht zu verknüpfen.

Inhaltlich lässt sich sehr vieles zwischen den beiden Tätigkeiten verbinden. Das liegt aber natürlich auch daran, dass mein Chef Christ ist. Wir beten auch im Bundestagsbüro miteinander. Und wir beschäftigen uns mit Themen, die für die Gemeinde nicht minder interessant sind: Humanitäre Hilfe in Ostafrika, Unterstützung für verfolgte Christen weltweit und etliches mehr. Wir konnten mit Ertan Cevik einen Baptistenpastor aus der Türkei in den Menschenrechtsausschuss einladen, der über die Situation der Christen berichtete. Viele andere christliche Gruppierungen waren schon in Berlin zu Gast. Besonders stehen wir der zur Evangelischen Allianz gehörenden Micha-Initiative nahe, die sich für die Erreichung der sogenannten Milleniumsziele einsetzt und Christen für Weltverantwortung sensibilisieren möchte. In der Gemeinde hat das Spuren hinterlassen: Wir haben in Gera ein Café eröffnet, das Global 26 (26 ist unsere Hausnummer), in dem fair gehandelte Produkte angeboten werden. Wir unterstützen Projekte in Russland und in Indien.

Zugleich gilt natürlich, die beiden Stellen auch wieder zu trennen. Menschenrechte sind nicht teilbar. Ein Muslim hat das gleiche Recht auf Unterstützung wie ein Christ. Jemand, der wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird, muss auf einen Menschenrechtler zählen können, egal, wie der seine Bibel zu diesem Thema versteht. Eine säkulare Initiative, die sich für Menschenrechte stark macht, muss ich genauso hören und anerkennen wie eine christliche. Ja, manche „christliche“ Initiative muss man sogar zurückweisen, weil sie einseitig und intolerant ist. Da muss man sich dann schon gefallen lassen, dass manch ein Kommentar lautet: „Und du bist Pastor?!“

Auch in der Gemeinde gilt natürlich: Das Evangelium schließt ein politisches und soziales Engagement ein – doch es erschöpft sich nicht darin. Verkündigung ist mehr. Ich muss der Gefahr widerstehen, das zu vermischen. Und noch eins: eine Gemeinde darf für mein Empfinden Menschen nicht parteipolitisch vereinnahmen. Mein Chef ist in der CDU. Ich selber bin parteilos. Christen gibt es in allen Parteien. Und in meiner Gemeinde muss jeder willkommen sein. Auch der politische „Gegner“ ist in Christus mein Bruder. Dieses Gut darf nicht verloren gehen.

Wir danken der Zeitschrift Die Gemeinde (dieser Beitrag erschien in Ausgabe 20/2011) für die freundliche Abdruckgenehmigung!

 

 

  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel birgt zahlreiche Geschichten und Bilder darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er nur Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

  • Unser Slogan hat noch eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern. Dass sie uns etwas zu sagen und zu geben haben.

    Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.