„Verwandelt“, Folge 1

Erstellt am 3. Juli 2014 von

„Selten habe ich ein derart gutes Buch zum Thema Nachfolge gelesen.“ „Ein außerordentlich stilles Buch der Innerlichkeit und Reflexion, das horcht und nachspürt und der Seele Raum gibt. Und gleichzeitig freudige Begeisterung weckt – über Gott und seine Absichten mit uns.“ „… eines der besten Bücher, die momentan auf dem Markt sind!“

Bei solchen Leserstimmen kann man durchaus hellhörig werden – die Rede ist von dem Buch Verwandelt in Gottes Nähe aus der Feder des schwedischen Autors Anders-Petter Sjödin.

 

"Eins der besten Bücher ..."

 

An dieser Stelle starten wir also eine kleine Serie mit Auszügen aus seinem Buch. Zur Inspiration und zum Vergnügen. Zur Ermutigung. Und natürlich auch als Appetitanreger.

 

Kapitel 2: Heilige Verwandlung

Der mehrfache Millionär Silvio Berlusconi ist vielleicht der bekannteste Mann im heutigen Italien. Sein Papa Luigi legte die Grundlage für diesen Reichtum – in Zusammenarbeit mit der sizilianischen Mafia. Jahrzehnte hat Berlusconi die Medien, die Politik und die Finanzwelt Italiens kontrolliert. Außerdem gehört ihm einer der größten Fußballklubs Italiens, der AC Mailand. Am bekanntes­ten ist er jedoch als Frauenheld und Playboy. Auf einem Flug nach Rom saß ich neben einer älteren italienischen Lehrerin. Sie war mit Breitseiten gegen ihren Premierminister nicht gerade sparsam. Obwohl Berlusconi ein großer Teil der italienischen Medienindustrie gehört, weiß wohl niemand, ob man ihn in 100 Jahren noch kennen wird, geschweige denn in 800 Jahren.

Giovanni di Bernadone hieß ein anderer Italiener, der eine große Ähnlichkeit mit Berlusconi aufwies. Er war der verwöhnte Sohn eines italienischen Geschäftsmannes und einer französischen Dame aus der Oberschicht. Er war arrogant, vergnügungssüchtig und auf Frauen fixiert. Sein Jugendtraum war es, ein »Promi« in der Unter­haltungsindustrie seiner Zeit zu werden.

Springen wir in der Zeit ein Stück weiter nach vorne, treffen wir auf einen zutiefst verwandelten Menschen. Eines Tages ritt Giovanni durch ein Tor. Seine Augen erblickten etwas, das er einmal mehr verachtet hatte als alles andere: einen Aussätzigen, einen Leprakran­ken.

Es ist schwer für uns, das Entsetzliche dieser Krankheit zu ver­stehen. Bakterien greifen das Nervensystem an, das Gefühl verschwindet nach und nach und der Körper fängt an, zu verfaulen. Allmählich fallen Körperteile ab: Zehen, Finger, Augen, Ohren oder Nase. Das erste Mal, dass ich einen Aussätzigen zu Gesicht bekam, war in einem Zug in Indien. Ich war 17 Jahre alt und er hatte auch ungefähr mein Alter. Er bettelte um Geld. Nach dieser makabren Begegnung saß ich eine ganze Weile verstört da. Ein großes schwar­zes Loch tat sich dort auf, wo eigentlich die Nase hätte sitzen sollen. Sein Gesicht ähnelte eher einem Totenschädel.

Am Ende ist ein Leprakranker in einer Welt ohne Sinnesemp­findungen gefangen. Am schmerzhaftesten sind jedoch das Ausgeschlossensein und die Entfremdung. Die einzige Empfindung, die am Ende übrig bleibt, ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft. Im Lauf der Geschichte wurden Leprakranke in Reservaten isoliert, es war ihnen verboten, in die Nähe gesunder Menschen zu kommen. Sie waren die »Unberührbaren«. Zur Zeit Jesu gab es genaue Vorschrif­ten, wie nahe ein Aussätziger einem Gesunden kommen durfte. Ein Mensch mit Aussatz durfte nie mehr seine Kinder, seine Frau oder andere Menschen berühren. Welches Erstaunen, als Jesus nicht nur respektvoll mit ihnen sprach, sondern sie auch voller Zärtlichkeit berührte. Vielleicht das erste Mal seit Jahren, dass sie überhaupt jemand berührte?

Inspiriert von Jesus, floh Giovanni nicht vor dem Leprakranken, wie so viele Male vorher. Mit der Liebe Jesu, die in sein verwandeltes Herz strömte, stieg er vom Pferd, ging in die Knie und küsste die bleiche Hand des Kranken.

Er küsste sie! Ist das zu verstehen?

Der Leprakranke war schon äußerst erstaunt darüber, dass er ihm Geld gab. Aber damit hörte es nicht auf. Er ritt dann in ein abge­sperrtes Gebiet für Leprakranke, das außerhalb der Stadt lag, und bat alle dort um Vergebung für sein früheres Verhalten. Er gab ihnen Geld und hörte nicht auf, den einen oder anderen unter ihnen zu küssen.

Dieser reiche Playboy ist eher unter dem Namen Franziskus von Assisi bekannt, oder als heiliger Franziskus. Sein radikaler Glaube an Jesus Christus inspirierte ihn nicht nur, er verwandelte ihn. Das, was da für andere nicht sichtbar in der Seele dieses italienischen Jetsetters geschah, sollte eine ganze Welt beeinflussen. Im Alter von 23 Jahren hatte er die Stimme Jesu in der Kapelle San Damiano gehört: »Franziskus, geh und baue meine Kirche auf, die gerade dabei ist zusammenzustürzen, wie du siehst!« Es war der Beginn einer der größten Bewegungen in der Geschichte der Kirche. 800 Jahre später ist er immer noch inspirierend und herausfordernd, durch seine ansteckende Liebe zu Gott, den Menschen und der Schöpfung. Paulus sagt: »Gott will, dass ihr heilig seid.« (1. Thess 4,3)

 

(Dieser Auszug entstammt dem Buch Verwandelt in Gottes Nähe von Anders-Petter Sjödin, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2012, Seite 39ff.)

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    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel birgt zahlreiche Geschichten und Bilder darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er nur Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

  • Unser Slogan hat noch eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern. Dass sie uns etwas zu sagen und zu geben haben.

    Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.