Ist das fair?
Uwe Heimowski im Gespräch über sein neues Kinderbuch
Er ist schon seit langem mit Verleger David Neufeld befreundet, sein Buch Brunos Dankeschön – Geschichten von der Reeperbahn war 2005 das dritte Buch überhaupt im Neufeld Verlag. Ist das fair? Ein kleines Buch über Gerechtigkeit lautet der Titel seines neuen Kinderbuches.

Warum ausgerechnet das Thema Gerechtigkeit – das scheint dich ja schon länger und ziemlich umfassend zu beschäftigen?
Man kann schon sagen, dass es ein Lebensthema ist. Das hat seine Wurzeln in der Fluchtgeschichte meiner Eltern aus Litauen und Ostpreußen. Und dann kamen viele prägende Erfahrungen dazu: bei der Arbeit mit Obdachlosen während meines Zivildienstes in Hamburg oder später mit suchtkranken Jugendlichen in Thüringen, Besuche in Indien und Afrika. Es kann dir das Herz brechen, was du da erlebst. Immer wieder habe ich aber auch Menschen getroffen, die Ungerechtigkeiten überwunden haben. Echte Mutmacher, deren Geschichten einfach erzählt werden müssen.
Ist so ein Thema für Kinder nicht belastend?
Als Kind bekam ich das Buch Die grauen und die grünen Felder von Ursula Wölfel. Sie beschreibt darin Kinder, die Ungerechtigkeit erleben. Einer davon ist Manni, der stolz ist auf seine neuen Sandalen, die er wegen seiner verzögerten geistigen Entwicklung „Daln“ nennt. Die Leute sagen: „Manni ist nicht richtig im Kopf.“ Die Nachbarskinder zertrampeln ihm die Schuhe. Ich habe geheult, als ich das gelesen habe. Aber es hat mich nie wieder losgelassen. Später habe ich als Erzieher und als Vater erlebt: Kids haben feine Antennen dafür, was gerecht ist – wir sollten ihnen zuhören und mit ihnen darüber sprechen.
Du schreibst viel und oft: Ging es dir leicht von der Hand, jetzt mal ein Buch für Kinder zu verfassen?
Einige Kapitel schrieben sich sehr schnell, andere habe ich wieder und wieder zur Hand genommen und überarbeitet, nachdem ich mir Feedback von Freunden geholt hatte. Kindern schwierige Dinge zu erklären, mochte ich schon immer. Aber beim Schreiben muss man sehr anschaulich sein, gute Spannungsbögen aufbauen, die Kinder in ihrer Lebenswirklichkeit abholen. Wie die ersten Rückmeldungen zeigen, ist das wohl ganz gut gelungen. Damit ein Danke an alle, die geholfen haben, das Buch besser zu machen.

Was hat dich dabei am meisten motiviert?
Was könnte inspirierender sein als echte Vorbilder, die sich für Gerechtigkeit einsetzen? Und dann das Wissen um die Kraft der Worte. Geschichten können Herzen erreichen und unser Leben prägen. Dabei mitzuwirken, das Bewusstsein für Gerechtigkeit zu wecken, ist etwas Großartiges. Es wäre schön, später davon zu hören, was dieses Buch bewirkt hat. Und sehr motivierend war der Satz meiner Frau Christine: „Tolles Buch, ich freue mich schon darauf, es unseren Enkeln vorzulesen.“
Im Buch erzählst du von Menschen, die sich für Gerechtigkeit stark gemacht haben. Welche Geschichte hat dich am meisten fasziniert?
Die Geschichte von Malala, der jüngsten Trägerin des Friedensnobelpreises, habe ich seit vielen Jahren verfolgt – sie war auch die erste, von deren Mut ich erzählen wollte.

Am emotionalsten war die Geschichte von Eyven. Den jungen Mann mit den amputierten Füßen und seinen Opa habe ich persönlich getroffen. Ich habe das Strahlen in ihren Augen gesehen, weil Eyven wieder laufen kann – und die Rührung und den Stolz der Orthopäden und Pädagogen und Nothelfer gespürt, die so viel Zeit und Kraft investiert haben.

Das Buch wurde von Volker Konrad illustriert, der schon bei mehreren Kinderbüchern im Neufeld Verlag mitgewirkt hat – wie kann man sich so eine Zusammenarbeit ganz praktisch vorstellen?
Volker Konrad ist nicht nur ein fantastischer Illustrator, er hat auch ein sehr gutes Gespür für Sprache und hat mir immer wieder wertvolle Tipps gegeben, wo ich noch anschaulicher schreiben könnte. Praktisch waren wir in regelmäßigem Austausch. Er sandte mir Entwürfe, ich ihm Texte, und so wuchsen die einzelnen Kapitel.
Fast zeitgleich mit diesem Kinderbuch ist auch deine Autobiografie Mit dem Leben spielt man nicht erschienen. Was ist das Wichtigste, was man über dich wissen sollte?
Dass ich Gott von Herzen dankbar bin für ein Leben, das mich reicher beschenkt hat, als ich je zu träumen gewagt hätte. Als Jugendlicher wurde ich suchtkrank, mit 22 Jahren war ich am Tiefpunkt. Damals hatte ich – ich kann es nicht anders sagen – eine einschneidende Begegnung mit Gott. Heute schaue ich auf fast 40 Jahre, die seit diesem Tag vergangen sind, zurück und sehe: Eine glückliche Ehe, fünf großartige Kinder, mehr als 30 Bücher, sehr verantwortliche Arbeitsstellen und im Rückblick einen roten Faden. Ich kann mein Leben zusammenfassen in diesem Vers aus 1. Mose 12,2, der mir vor vielen Jahren zugesprochen wurde: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“
Die Fragen stellte David Neufeld.
Hier geht’s direkt zum Buch inklusive Leseprobe:
Dieser Beitrag erschien zuerst in NEULAND Nr. 1 – dem Magazin für Leserinnen und Leser:


