Zwei Wochen lang war jeder willkommen

„Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist“, lautet ja unser Verlagsmotto. Im August 2026 ist dieser Satz für zwei Wochen sehr konkret geworden: 40 Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf, 40 ehrenamtliche Mitarbeitende, ein Kletterturm und ein Badeteich …

CAMP UNLIMITED heißt das Angebot der christlichen Organisation CAMISSIO. Unsere Broschüren und Bibeln in einfacher Sprache waren mit dabei. Grund genug, bei Basti Ehl nachzufragen, der CAMISSIO leitet.

Zieleinlauf durchs Spalier. Bei CAMP UNLIMITED wird jeder Teilnehmer gefeiert.

Zieleinlauf durchs Spalier. Bei CAMP UNLIMITED wird jeder Teilnehmer gefeiert.

Basti, im August liefen die ersten CAMP-UNLIMITED-Freizeiten. Erzähl uns von einem Moment, der dir geblieben ist.

Davon gibt es ganz viele! Ein Junge war überzeugt, dass er nicht viel kann. Keine Freunde, immer der Letzte. Bei uns hat er erlebt, dass er so sein darf, wie er ist, und dass er wunderbar gemacht ist. Er ist wahnsinnig aufgeblüht. Am letzten Abend stand er bei unserer Talentshow auf der Bühne und hat getanzt. Vom Strahlen her war er kaum wiederzuerkennen. Und er hatte Freunde gefunden.

Dann waren da Geschwister aus einer Familie, die mit Kirche bisher nichts zu tun hatte. Die beiden haben die ganze Woche richtig damit gerungen, dass wir von Gott erzählen. Gegen Ende der Freizeit haben sie für sich entschieden, dass sie Gott als ihren guten Vater annehmen wollen. Und das haben sie ihren Eltern dann ganz begeistert erzählt.

Genau diese Geschichten sind der Grund, warum wir das Ganze machen.

Wie kommt ein Freizeitveranstalter dazu, ein eigenes Angebot für junge Menschen mit Beeinträchtigung aufzubauen?

Die Vision von CAMISSIO ist, dass jeder von Jesus Christus und seiner Liebe hören soll. Doch für Menschen mit Unterstützungsbedarf gibt es in vielen Kirchen kaum Angebote.

Uns liegt am Herzen, dass gerade solche Kinder und Jugendlichen erleben, dass sie von Gott geliebt und gewollt sind – genau wie alle anderen auch. Auf der Freizeit haben wir ihre besonderen Bedürfnisse natürlich im Blick. Vor allem sehen wir aber ihre ganz normalen Bedürfnisse: Spaß haben. Freunde finden. Gesehen werden. Genau dafür ist die Woche da.

Zwei Bungee-Trampoline gehören zum Programm.

Und wer war diesen Sommer dabei?

Wir sind mit Teilnehmenden zwischen 7 und 25 Jahren gestartet, die kognitive und intellektuelle Einschränkungen haben. Menschen mit Down-Syndrom, Autismus, FASD, Epilepsie und starken Formen oder Kombinationen von ADHS …

… und dazu waren über 40 Mitarbeitende dabei …

Genau, denn jeder Teilnehmende hat feste Bezugspersonen. Im Team sind viele Heilerziehungspfleger, Sonderpädagogen und Sozialarbeiter. Dazu kommen unsere Camp Docs, die einen medizinischen Hintergrund haben und die ganze Woche vor Ort sind.

Wir machen vorher eine fünftägige Schulung. Erste Hilfe und Reanimation lernt jeder, dazu den Umgang mit epileptischen Anfällen.

Genauso wichtig ist uns die geistliche Vorbereitung:  Wir sprechen darüber, wie wir einfühlsam von der größten Hoffnung überhaupt: von Jesus sprechen können. Und wie wir jeden Einzelnen ganz individuell wahrnehmen und wertschätzen.

Was hat dich selbst überrascht?

Überrascht hat mich, wie sehr Kinder und Jugendliche in so einer Woche über sich hinauswachsen können. Ein Teilnehmer mit Magensonde wollte unbedingt mit der Seilbahn vom Action Tower runter. So etwas hatten wir vorher noch nie gemacht. Unsere Camp Docs haben sich die Situation genau angeschaut, alles medizinisch eingeschätzt und schließlich grünes Licht gegeben. Und dann ist er tatsächlich gefahren.

Für ihn war das ein riesiger Schritt. Und für uns war es ein starkes Bild für CAMP UNLIMITED: Wir suchen gemeinsam nach einem guten und sicheren Weg, wie das scheinbar Unmögliche doch möglich werden kann.

Und was erleben die Teilnehmenden sonst bei euch?

Das Wichtigste ist, dass sie die größte Hoffnung, Jesus, erleben. Unsere Mitarbeitenden tragen diese Begeisterung für die Liebe Gottes in sich. Und so erleben die Teilnehmenden Wertschätzung, Annahme und Ermutigung.

Ansonsten bringen wir alles mit, was für eine richtig gute Woche nötig ist. Unser Action Tower ist ein Kletterturm, an dem man an verschiedenen Seiten hochklettern und mit der Seilbahn wieder runterfahren kann. Zwei Bungee-Trampoline gehören dazu. Es gibt einen Badeteich vor Ort und ganz viel für Spiel, Sport und Bewegung.

Genauso wichtig sind ruhige Angebote: eine Kreativwerkstatt zum Basteln, ein Camp-Café zum Kochen und ein Snoozle-Raum, in dem es still ist.

Dass Menschen die Liebe Gottes erfahren, ist euch sehr wichtig. Wie erzählt ihr denn davon, wenn die kognitiven Möglichkeiten ganz unterschiedlich sind?

Jeder Tag beginnt mit einer Andacht und Zeit in den Kleingruppen. Wir arbeiten mit einfacher Sprache, mit Bildern und viel Wiederholung.

Dabei war euer Material eine große Hilfe. Wir hatten Worte von Gott von Franziska C. Schmid im Einsatz, also biblische Texte in einfachen Worten. Dass dieses Buch ursprünglich für eine junge Frau mit Down-Syndrom entstanden ist, merkt man ihm an. Für unsere Teilnehmenden war das die erste Bibel, die sie selbst lesen und verstehen konnten.

Und was habt ihr nach dem Camp von den Eltern gehört?

Ich finde, Eltern von Kindern mit Behinderung leisten im Alltag Unglaubliches. Für mich sind sie echt Helden.

Am letzten Tag standen beim Abholen Väter vor mir mit Tränen in den Augen. Die haben sich von Herzen bedankt, weil sie so berührt waren. Viele Kinder haben tatsächlich zum ersten Mal woanders übernachtet hat. Diese Woche war für manche ein großer Entwicklungsschritt zum Beispiel in Sachen Selbstständigkeit. Und auch für die Eltern bedeutet das die Möglichkeit, sich zu erholen. Ein Elternpaar war zum ersten Mal seit 20 Jahren für sich, im Wellnesshotel um die Ecke.

Manche Teilnehmenden wollten am Ende gar nicht nach Hause, weil sie Freunde gefunden hatten.

Eine Familie schrieb uns: „Unser Sohn meinte am Abend zu Hause: Montag wieder! Wir sind sehr glücklich, dass dieses Experiment so wunderbar funktioniert hat.“

Und eine andere Mutter: „Unser Sohn ist noch nie so begeistert nach Hause gekommen. Eine Woche vor dem Camp wollte er nicht mit, ich sollte ihn unbedingt abmelden. Gut, dass ich genauso stur sein kann wie er.“

Ihr plant bereits das nächste Jahr, wie geht es weiter?

Wir wollen CAMP UNLIMITED auf jeden Fall ausbauen. 2027 planen wir drei Wochen: Zwei richten sich wieder an Teilnehmende mit kognitiven Einschränkungen. Die dritte Woche heißt „Himmelsstürmer“ und ist für blinde und sehbehinderte sowie für gehörlose und schwerhörige Teilnehmende. Dafür haben wir Mitarbeitende im Team, die in Gebärdensprache ausgebildet sind, einige von ihnen sind selbst gehörlos.

Unser Traum ist, dass wir die Freizeit irgendwann auch für Teilnehmende mit chronischen und lebensverkürzenden Erkrankungen, mit körperlich-motorischen Behinderungen anbieten können.

Aktuell finden eure Camps in den Niederlanden statt. Habt ihr für die Zukunft vielleicht auch verschiedene Orte in Deutschland im Blick?

Ja, wir sind tatsächlich am Schauen, welche Locations dafür passend wären, um die Anreise zu verkürzen.

Wie kann man euer Angebot unterstützen?

Erzählt Familien davon, die ein Kind mit Beeinträchtigung haben. Die Anmeldung für 2027 läuft bereits. Und wir freuen uns über jeden, der dazukommt!

Danke, Basti. Wir wünschen euch alles Gute bei den Vorbereitungen fürs nächste Jahr!

 

CAMP UNLIMITED 2027, ein Angebot von CAMISSIO

Woche „Helden“: 26. bis 31. Juli 2027

Woche „Freunde“: 2. bis 7. August 2027

Woche „Himmelsstürmer“: 9. bis 14. August 2027

Für: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 7 bis 25 Jahren mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung

Betreuung: Mindestens eins zu zwei, feste Bezugspersonen, medizinisch ausgebildete Camp Docs vor Ort

Preis: 790 Euro all-inclusive. Bei vorliegendem Pflegegrad ist häufig eine Abrechnung über die Verhinderungspflege der Pflegekasse möglich. Auch Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket sowie Ratenzahlung sind möglich. CAMISSIO hilft bei der Antragstellung.

Anmeldung und Infos: www.camissio.de/campunlimited