Přemysl Pitter – die bewegende Autobiografie eines stillen Helden
Přemysl Pitter, tschechischer Humanist und Pazifist, erzählt in seiner Autobiografie von seinem Leben zwischen Krieg, Glaube und Gewissen. Mit unerschütterlicher Menschlichkeit widersetzte er sich den Ideologien des 20. Jahrhunderts und lebte Nächstenliebe, wo andere schwiegen.
Ein Zeugnis für Mut, Mitgefühl – und die Kraft des Guten im Angesicht der Geschichte.
Zugegeben, ich kannte diesen Namen selbst nicht, bevor unsere Autorin Sabine Dittrich mich vor einigen Jahren darauf hinwies: Přemysl (gesprochen: „Pschemisl“) Pitter.
Ein immer noch ziemlich unbekannter Mann – auch wenn er in Israel als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt wurde, das Bundesverdienstkreuz sowie einen Ehrendoktortitel von der Universität Zürich erhielt oder die UNESCO seinen 100. Geburtstag 1995 unter die Weltkulturjahrestage aufnahm.
Vom Glauben an die Menschheit …
Der bekannte israelische Künstler Jehuda Bacon sagte über ihn:
„Přemysl Pitter hat mir den Glauben an die Menschheit zurückgegeben.“
Und Václav Havel meinte:
„Přemysl Pitter ist ein Beispiel für Humanismus und Toleranz.“
Im Mai 1945 holt Přemysl Pitter jüdische Kinder aus Theresienstadt, die dort ihre Familien verloren haben. Er bringt sie in vier Schlössern unter, die der tschechoslowakische Staat zur Verfügung stellt.
Pitter und sein Team nehmen auch hunderte deutsche Kinder auf, um sie vor tschechoslowakischen Internierungslagern zu bewahren. Gemeinsam leben sie Vergebung und ermöglichen den Kindern Heilung und einen Neuanfang. Bis heute treffen sich ehemalige „Pitter-Kinder“ …

Erste Kinder aus Theresienstadt, 1945.

Pitter mit deutschen „Schloss-Kindern“, 1946.
Wer war dieser Mensch?
Přemysl Pitter wird 1895 in Prag geboren und ist als freiwilliger Soldat im ersten Weltkrieg dabei – woraufhin er Pazifist wird. Pitter, der zuvor Buchdrucker gelernt und den väterlichen Betrieb 1913 geerbt hat, beginnt 1920 ein Theologiestudium, das er bereits nach zwei Semestern wieder aufgibt.
Er engagiert sich für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen und gegen Antisemitismus. Der überzeugte Christ ist als Vortragsredner und Publizist aktiv.
Auf einer Konferenz des Internationalen Versöhnungsbundes 1926 in Oberammergau lernt er die Schweizer Lehrerin Olga Fierz kennen – die ihm für den Rest des Lebens als Mitarbeiterin zur Seite steht.

Přemysl Pitter und Olga Fierz, Ende der 1920er Jahre.
Als Bevollmächtigter für die Kinderfürsorge im Prager Stadtteil Žižkov lernt Pitter das Leben verarmter Familien und die schweren Lebensbedingungen von sozial gefährdeten Kindern kennen. Gemeinsam mit Freunden bietet er den Kindern nach der Schule in einer eigenen Kindertagesstätte eine vielseitige Betreuung an.
1933 eröffnet das spendenfinanzierte Milíč-Haus für Kinder. Von der Gestapo werden Pitter und sein Team beobachtet, da sie heimlich jüdische Familien unterstützen. Jüdische Mitarbeiter des Milíč-Haus werden nach Theresienstadt deportiert.
1945 beginnt die „Aktion Schlösser“ (siehe oben).
Aufgrund der politischen Entwicklung flieht Pitter 1951 nach Deutschland. Er arbeitet mit der BBC zusammen. Im Auftrag des Weltkirchenrats engagiert er sich im Flüchtlingslager Valka bei Nürnberg. 1962 ziehen Přemysl Pitter und Olga Fierz in die Schweiz.

Přemysl Pitter war immer für einen Spaß zu haben.
Die Autobiografie
1970 erschien Přemysl Pitters Autobiografie Unter dem Rad der Geschichte erstmals auf Deutsch im Zürcher Rotapfel-Verlag.
2017 erschien eine von Sabine Dittrich neu bearbeitete Fassung unter demselben Titel im Neufeld Verlag. Nachdem sie eine Zeit lang vergriffen war, haben wir sie anlässlich des 50. Todestages Přemysl Pitters am 15. Februar 2026 ein weiteres Mal aufgelegt.
„Danke für die Autobiografie von Přemysl Pitter. Die Gradlinigkeit und Zivilcourage dieses Mannes beeindrucken mich tief. Einer, der den Mut hatte, gegen den Strom zu schwimmen. Wie wichtig sind solche Menschen auch heute. Das Buch ist hoch aktuell“,
schrieb Peter Strauch in der Zeitschrift AUFATMEN.
„… ein ungewöhnliches Stück Zeitgeschichte ,von unten‘ und zugleich ein Beispiel christlich motivierter Versöhnungsarbeit unter schwierigsten Bedingungen“,
meinte Lutz Lemhöfer in Publik-Forum.
Hier geht’s direkt zum Buch:
Alle Bilder: © Archiv Přemysla Pittra a Olgy Fierzové, Národní pedagogické muzeum a knihovna J. A. Komenského, Valdštejnská 20, CZ-118 00 Praha 1


