Schlagwort-Archiv: Gutes aus Schweden

 

Erstellt am 11. Juli 2014 von

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Heute geht es weiter mit unserer kleinen Serie mit Auszügen aus dem Buch Verwandelt in Gottes Nähe aus der Feder des schwedischen Autors Anders-Petter Sjödin.

 

"Eins der besten Bücher ..."

 

(Immer noch) Kapitel 2: Heilige Verwandlung

Afrikanische Transformation

Lassen Sie mich von einigen afrikanischen Freunden erzählen. Anfang der neunziger Jahre reiste ich zusammen mit drei afrikanischen Pfarrern aus Tansania zu einer Konferenz nach Brighton in England. Die Vermieterin, die sich bereit erklärt hatte, Gäste aufzunehmen, stand in ihrer Tür und musterte die Gesichter der drei Afrikaner. Dann sah sie mich an, sagte: »Sorry, wir nehmen keine Afrikaner auf« – und schloss die Tür. Ich dachte, das kann nicht wahr sein. Ich brachte kein einziges Wort raus. Und ich schämte mich. Betson Kikoti durchbrach die Stille: »Das macht nichts, Sjodini, wir finden schon etwas anderes!«

Auf dem Weg ins Zentrum stieg ein betrunkener und lärmender Mann in den Bus. Die anderen Passagiere sahen verstohlen aus den Fenstern des Busses, um seinen Blick nicht erwidern zu müssen. Plötzlich rutschte Kikoti aus seinem Sitz und auf den Boden – um die Schuhe des Mannes zuzubinden. Er hatte gesehen, dass die Schuhbänder an beiden Schuhen des Mannes nicht zugebunden waren. Noch ein Schritt und der Mann wäre auf eines von ihnen getreten und hingefallen. Kikoti sagte kein Wort, er kniete nur auf den Boden und diente dem unbekannten Mann. Ich weiß nicht, ob dieser Mann wirklich mitbekam, was da geschah, aber für den Rest der Reise setzte er sich still und verwundert hin.

Kikoti war erst einmal im Ausland gewesen, zehn Jahre zuvor. Auf einer Chorreise nach Schweden war er nach Byvallen in Hälsingland gekommen. Während eines Fürbittgottesdienstes hatte er unerwartet angefangen zu weinen, berührt von der schönen Atmosphäre in dieser fremden Umgebung. Er hatte sich sanft nach vorne, zur Altarschranke, geführt gefühlt, wie von einer unsichtbaren Kraft. Dort war er auf seine Knie gefallen. Pfarrer Henrik Markgren hatte seine großen Hände auf seinen Kopf gelegt und etwas auf Schwedisch gesagt. Das Einzige, was Kikoti hatte verstehen können, war der Name »Jesus«. Etwas geschah. Kikoti wurde von Gottes Geist erfüllt. Woge auf Woge strömte Gottes Herrlichkeit über ihn und durch ihn hindurch. Er selbst beschreibt das als den Beginn eines neuen Lebens als Jünger Jesu.

Zehn Jahre später ging er erneut auf die Knie, in einem Bus in England, und band die Schuhriemen eines unbekannten, betrunkenen Mannes. In dieser Nacht schliefen wir alle vier in einem kleinen Hotelzimmer. Drei afrikanische Pfarrer in einem kleinen Doppelbett und ich lag auf dem Boden am Fußende des Bettes.

Am nächsten Tag trafen wir neue Gastfamilien, die Afrikaner aufnahmen. Kikotis neue katholische Gastfamilie erzählte ihm bereits am ersten Abend von der größten Sorge in ihrem Leben: John, der Sohn, saß im Gefängnis und verweigerte seiner Familie den Besuch. Jetzt wollten sie, dass Kikoti ihn besuchen sollte.

Kikoti war vor Schreck wie gelähmt. Er hatte in Tansania einmal ein Gefängnis besucht und das hatte seinem Namen alle Ehre gemacht: Eisengitter, Lehmfußböden, schwere Gewichte an den Knöcheln und Strafarbeit. Außerdem sprach er nur wenig Englisch. Aber er konnte seiner Gastfamilie diesen Wunsch nicht abschlagen. Außerdem, so dachte er – hatte Jesus nicht gesagt: »Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht« (Mt 25,36)?

Mit zitternden Knien und stockendem Atem wurde er durch eine Reihe von Schleusen im Stadtgefängnis von Brighton geführt. Schließlich stand er vor Johns Zellentür. »Sie haben 15 Minuten«, sagte der Aufseher zu ihm. In der Tür stand ein groß gewachsener Mann mit langen zerzausten Haaren. Er sah Kikoti herausfordernd an: »Was wollen Sie?«, zischte er. Zaghaft fing Kikoti an zu erklären, dass er bei Johns Eltern wohnte, dass er wusste, dass John in die Sonntagsschule gegangen und in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen war.

Während er sprach, merkte er, dass sowohl seine Autorität als auch seine Liebe zu John zunahmen. Plötzlich fragte John: »Was wollen Sie, was soll ich tun?« Kikoti antwortete: »Ich weiß, dass du weißt, wer Jesus ist. Bete um Vergebung für deine Sünden und lade ihn ein, in dein Herz zu kommen!« Mit einem Rums fiel John auf seine Knie. Damit waren sie ungefähr gleich groß, Kikoti ist nämlich ein Sitzriese. Kikoti tat dasselbe, was der Pfarrer in Hälsingland getan hatte, er legte seine Hände auf Johns Kopf und betete für ihn. Gottes Herrlichkeit und Frieden füllten die karge Gefängniszelle und ein kaputtes Herz.

Pfarrer Betson Kikoti inspiriert heute – und das sage ich ohne Übertreibung – Tausende Menschen in ganz Ostafrika, ein Jesus gemäßes Leben zu führen, das einzige Leben, das lebenswert ist. Kikoti war über den rassistischen Kommentar der Vermieterin nicht verbittert, er wies den betrunkenen Mann im Bus oder John in seiner Zelle nicht zurecht, sondern er ließ das Leben Jesu durch sich hindurchfließen. Ein solches nicht auf Konfrontationskurs gehendes und von Liebe erfülltes Leben weckt die Sehnsucht.

 

(Dieser Auszug entstammt dem Buch Verwandelt in Gottes Nähe von Anders-Petter Sjödin, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2012, Seite 44ff.)

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  • Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder willkommen ist!

    Das wär’s, oder? Am Ende sehnen wir alle uns danach, willkommen zu sein. Die gute Nachricht: Bei Gott bin ich willkommen. Und zwar so, wie ich bin. Die Bibel birgt zahlreiche Geschichten und Bilder darüber, dass Gott uns mit offenen Armen erwartet. Und dass er nur Gutes mit uns im Sinn hat.

    Als Verlag möchten wir dazu beitragen, dass Menschen genau das erleben:

    Bei Gott bin ich willkommen.

  • Unser Slogan hat noch eine zweite Bedeutung: Wir haben ein Faible für außergewöhnliche Menschen, für Menschen mit Handicap. Denn wir erleben, dass sie unser Leben, unsere Gesellschaft bereichern. Dass sie uns etwas zu sagen und zu geben haben.

    Deswegen setzen wir uns dafür ein, Menschen mit Behinderung willkommen zu heißen.